Studien zu IT-Gehältern: Gute Aussichten in schlechten Zeiten

Studien zu IT-Gehältern: Gute Aussichten in schlechten Zeiten | Golem Karrierewelt

(Bild: Pixabay)

Von Peter Ilg veröffentlicht am 

Die Einkommen von IT-Beschäftigten sind 2020 nicht gesunken. Eine weitere gute Nachricht: Auch 2021 sollen sie laut Studien stagnieren oder leicht steigen.

Das Gehaltsjahr 2020 für IT-Fach- und Führungskräfte ist in unterschiedlichen Studien für Deutschland und andere europäische Länder analysiert worden. Laut einer Untersuchung stagnierten die Gehälter, eine andere sieht einen leichten Anstieg. Beides ist gut in Zeiten, in denen andere Branchen ums Überleben kämpfen.

Für dieses Jahr gelten die gleichen unterschiedlichen Prognosen. Auch das ist gut, denn Auswirkungen der Coronapandemie werden noch Jahre andauern, andere bleiben bestehen, etwa Homeoffice. Der Trend hin zum dezentralen Arbeiten verändert die Skills von IT-Beschäftigten im Support und in der IT-Sicherheit.

Die höchsten Gehälter haben IT-Beschäftigte in München. Sie verdienen sogar mehr als diejenigen in Metropolen wie London oder Paris. Unter den IT-Fachkräften sind Berater die Top-Verdiener, Führungskräfte bekommen doppelt so viel wie ihre Angestellten - wenn sie in einem Konzern arbeiten. Im Mittelstand sind die Unterschiede nicht so groß.

IT-Gehälter steigen trotz Corona

Während die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie manchen Branchen rückläufige oder stagnierende Gehälter brachten, sind sie in der IT im vergangenen Jahr gesund gewachsen. Das jährliche Bruttogehalt im Median lag bei 64.200 Euro, was ein Einkommensplus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Dies ist ein Ergebnis der IT-Studie 2021 der Vergütungsberatung Compensation Partner.

Der Median beschreibt die Mitte aller Daten: 50 Prozent liegen über dem Wert, 50 Prozent darunter. Der Median ist daher genauer als der Durchschnittswert, der durch Ausreißer verzerrt werden kann. Für die Studie wurden 12.225 Datensätze von 19 IT-Fach- und 12 IT-Führungsfunktionen untersucht. Innerhalb einer Funktion wurde nach Anspruchsstufen differenziert. Alle Funktionen wurden unterschiedlichen Firmengrößen zugeordnet und das Gesamtgehalt aus Grundgehalt sowie sämtlichen Nebenleistungen berechnet.

Consultants liegen mit einem jährlichen Bruttogehalt von 75.700 Euro an der Spitze im Gehaltsranking von IT-Fachkräften. Dann folgen Sicherheitsexperten im Median mit knapp 70.000 Euro. Am unteren Ende der Gehaltsskala rangieren Software-Entwickler im Frontend mit 57.300 und SAP-Entwickler mit fast 60.000 Euro.

Die Gehaltsdifferenz zwischen Männern und Frauen beträgt im Mittel rund 5.000 Euro zugunsten der Männer. Führungskräfte verdienen mit einem jährlichen Bruttolohn von 133.700 Euro mehr als doppelt so viel wie Fachkräfte, bei denen 63.900 Euro auf dem Einkommenszettel stehen.

Das Gehalt von IT-Führungskräften in Konzernen liegt ein Drittel über dem von Firmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten. Je größer das Unternehmen, desto besser ist das Gehalt.

Krise macht sich bei den Boni bemerkbar

Daneben haben der Bildungsabschluss und die Berufserfahrung einen hohen Einfluss auf das Einkommen: Angestellte mit abgeschlossener Berufsausbildung haben einen jährlichen Bruttoverdienst von etwa 51.300 Euro. Beschäftige mit Bachelor bekommen 54.800 Euro und mit Master steigt das Gehalt deutlich auf 69.300 Euro an.

Für IT-Beschäftigte mit Doktortitel müssen die Arbeitgeber im Median etwa 12.000 Euro auf das Mastergehalt drauflegen. Meister und Fachwirte verdienen etwa 3.000 Euro mehr als Bachelor-Absolventen. Im gleichen Job steigen die Gehälter nach zwölf Jahren von 51.000 auf 66.000 Euro. Erfahrung zahlt sich also aus.

Die Krise macht sich bei den erfolgsabhängigen Boni bemerkbar, die 2020 nur zum Teil oder überhaupt nicht ausbezahlt wurden. Der Rückgang der variablen Vergütungsbestandteile lag 2020 bei etwa einem Viertel. Die Gehaltsspezialisten von Compensation Partner erwarten für 2021 bei den Boni eine Erholung und bei den Gehältern eine Steigerung von 1,8 Prozent.

Corona hat für eine vorübergehende Waffenruhe im War for Talents gesorgt. Grundsätzlich wechselwillige Kandidaten verharren aus Sicherheitsgründen lieber im alten Job. Das ist die wesentliche Erkenntnis der Studie Gehaltsübersicht 2021 des Personaldienstleisters Robert Half.

Dafür wurden vor knapp einem Jahr 300 Führungskräfte aus Deutschland befragt. Im Lockdown haben sie gelernt, dass Homeoffice funktioniert - oft besser als erwartet. Deshalb wird es für Vorgesetzte schwieriger werden, ihren Mitarbeitern diese Möglichkeit künftig zu verwehren.

Die Arbeitswelt ändert sich und mit ihr Benefits für die Beschäftigten. Neu sind zusätzlicher Urlaub aus familiären Gründen und Zuschüsse zur Ausstattung fürs Homeoffice. Mehr als die Hälfte der Firmen haben bereits neue Benefits eingeführt. Durch den Trend zum dezentralen Arbeiten verändern sich die Skills in der IT. Der verstärkte Einsatz von Tools zur Remote-Arbeit erfordert spezialisierte Supportkräfte, während klassischer 1st-Level-Support aufgrund künstlicher Intelligenz weiter an Bedeutung verliert.

Remote-Tätigkeiten führen dazu, dass IT-Sicherheit und Cloud-Technologien wichtiger werden. Trotz aktueller Entspannung am Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte werden die Gehälter voraussichtlich nicht sinken. Die Studienautoren erwarten eine Stagnation in diesem Jahr. Stark gesucht werden zurzeit unter anderen IT-Helpdesk-Analysten und Systemadministratoren. Aktuell verdient ein Analyst im Desktop-Support durchschnittlich 38.500 Euro jährlich und Systemadministratoren bekommen 53.750 Euro.

Das niedrigste Durchschnittsgehalt haben PC-Techniker mit 36.250 Euro, das höchste Software-Architekten mit 82.500 Euro. IT-Leiter verdienen im Durchschnitt 93.250 Euro. CIOs sind die absoluten Spitzenverdiener unter dem IT-Personal mit durchschnittlich 155.000 Euro.

Neben Aufgabe und Hierarchie ist Region ein wichtiger Faktor fürs Gehalt

Neben der Aufgabe und Hierarchie wirkt sich die Region als ein weiterer Faktor auf das Gehalt aus. So liegen die Gehälter etwa in Essen 5 Prozent unter dem Durchschnitt, in München 12 Prozent darüber. Allerdings sind in der bayerischen Metropole die Lebenshaltungskosten höher als im Ruhrgebiet, was den Mehrverdienst aufzehrt. Entwickler verdienen in München am meisten.

Talent.io, eine Rekrutierungsplattform für Tech-Profis, hat einen Gehaltsbericht 2021 für Software-Entwickler für zehn Großstädte in Europa erstellt, darunter Berlin, London und Paris.

Der Blick über die Grenzen macht das nationale mit internationalen Einkommen vergleichbar. Für die Studie wurden mehr als 100.000 Vorstellungsgespräche analysiert. So wurden die Gehälter von Festangestellten und Tagessätze von Freiberuflern ermittelt, aufgeschlüsselt nach zehn Städten, vier Stufen des Dienstalters von Junior bis Executive, den vier Positionen Backend-, Frontend-, Full-Stack- und Lead-Entwickler sowie Festangestellten und Freelancern.

Die Gehälter von festangestellten Software-Entwicklern sind über alle Funktionen und Dienstaltersstufen in München mit durchschnittlich 67.400 Euro am höchsten und in den vier französischen Städten Lyon, Lille, Toulouse und Bordeaux mit 40.730 Euro am niedrigsten.

Freelancer-Stundensatz in Deutschland höher als in Frankreich

Die Erfahrung hat einen erheblichen Einfluss auf das Einkommen. In Hamburg beispielsweise verdient ein Backend-Entwickler mit vier bis sieben Jahren Berufserfahrung 62.750 Euro. Davor sind es 10.000 Euro weniger, danach 2.000 Euro mehr. Freiberufliche Entwickler in Deutschland haben im Median einen um etwa 50 Prozent höheren Tagessatz als französische Fachkräfte.

Die Technologie ist das Handwerkszeug eines Entwicklers und deshalb wesentlich für die Arbeit. Deshalb hat talent.io untersucht, wie oft Technologien in einem Jobangebot auftauchen, um daraus deren Bedeutung abzuleiten. Die meistgefragte Frontend-Technologie ist in Berlin, London und Paris React, gefolgt von Javascript. Bei den Backend-Technologien sind es in Paris und London Node.js, in Berlin Java. In der deutschen Hauptstadt liegt Node.js auf dem zweiten Platz.

Kurzer Hinweis im Sinne der Transparenz: Golem.de kooperiert mit talent.io.

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