4-Tage-Woche in der IT – so funktioniert’s!

4-Tage-Woche in der IT – so funktioniert’s! | Golem Karrierewelt

Vier statt fünf Tage arbeiten: Diese Idee könnte für Arbeitnehmer viel verändern. Die belgische Regierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der einen Anspruch auf die 4-Tage-Woche verbindlich regeln soll. Das würde aber bedeuten, dass man nicht weniger Stunden arbeitet, sondern lediglich 40 Wochenstunden in vier Tagen erledigen darf. In Deutschland würde man damit nach aktueller Rechtsprechung an die Grenzen dessen stoßen, was arbeitsrechtlich zulässig ist: Mehr als 10 Stunden tägliche Arbeit sind nicht erlaubt, Überstunden wären daher an den vier Tagen nicht mehr drin.

 

6 statt 8 Stunden täglich – oder ein Tag weniger

IT-Unternehmen experimentieren schon jetzt mit verschiedenen Modellen. Das Düsseldorfer Tech-Unternehmen Sipgate setzt beispielsweise auf 5 Tage Arbeit, aber einen früheren Feierabend und hat die tägliche Arbeitszeit von 8 auf 6 Stunden reduziert. Das Schweizer IT-Unternehmen seerow wollte herausfinden, ob es funktioniert, wenn man bei gleichbleibender Bezahlung einen ganzen Arbeitstag streicht: Ab Oktober 2021 stellte das Unternehmen auf eine 4-Tage-Woche um, reduzierte die Wochenarbeitszeit von 42 auf 35 Stunden – und stellte sogar neues Personal ein, um die fehlenden Stunden auszugleichen. Keine Mogelpackung für die Mitarbeitenden also, bei der sie einfach das gleiche Arbeitsvolumen in weniger Zeit schaffen sollten, sondern eine echte Alternative mit mehr Freizeit.

 

Leistung ist nicht von Arbeitszeit abhängig

 

Laut Geschäftsführer Fabian Schneider war die Homeofficepflicht Auslöser für das Konzept: „In der Krise hat sich gezeigt, dass die Leistung nicht unbedingt vom Arbeitsort und Ergebnisse nicht zwingend von der geleisteten Arbeitszeit abhängen.“ Er wollte seinen Mitarbeitenden mit dem freien Tag gezielt mehr Zeit zum Ausruhen geben und damit deren kreative Arbeit fördern und stärker wertschätzen. Das Pilotprojekt war erfolgreich – seit 1. April 2022 wird das Modell weitergeführt.

Fokus auf teaminterner Kommunikation

Welche Herausforderungen es mit sich bringt, erklärt Sandra Simon, Software Engineer bei seerow: „Natürlich war die Einführung kein Selbstläufer. Damit die 4-Tage-Woche bei uns funktionieren kann, hinterfragen wir stetig die Prozesse und Workflows und optimieren diese bei Bedarf.“ Vor allem die teaminterne Kommunikation stand im Fokus. Die meisten Nachrichten wurden nur noch in Slack-Channels geteilt, in denen das ganze Projekt-Team mitlesen kann – statt sie per Mail an einzelne Kolleginnen oder Kollegen zu senden. Zudem sollen alle Information in Wissensdokus hinterlegt werden.

 

Selbstverantwortung und gute Planung sind wichtig

„Da es natürlich, trotz Dokumentation, immer noch zu offenen Fragen kommt, ist für jeden Mitarbeitenden die Selbstverantwortung für gute Planung und Priorisierung ebenfalls ein sehr wichtiger Teil“, so Simon. In ihrer E-Mail-Signatur steht: „Am Freitag jeweils abwesend.“ Die seerow-Mitarbeitenden können entscheiden, ob sie lieber montags oder freitags frei haben wollen. Nach drei Monaten Pilotprojekt – also zur Halbzeit – sollte ein interner Workshop eine Standortbestimmung ermöglichen. Ein externer Coach moderierte den Austausch über Erfahrungen und Optimierungspotenzial. Finanziell könne man noch keine klare Prognose geben, so Sandra Simon: „Die Situation sieht aktuell gut aus. Da wir neue Mitarbeitende während der Pilotphase eingestellt haben, können wir aber keinen direkten Vergleich zu der Zeit vor der Umstellung machen.Das interne Fazit war durchweg positiv: Alle befürworteten die 4-Tage-Woche.

Beliebte Fachgebiete in der Golem Akademie