Der große Stresstest Pandemie

Der große Stresstest Pandemie | Golem Karrierewelt

Matthias ist 38, Software-Entwickler und er liebt seinen Job: „Aber in der Pandemie komme ich an meine Grenzen“, sagt er. „Klar, es kam auch früher immer schon mal vor, dass ich bis spät in die Nacht an Projekten gesessen habe. Jetzt ist der Krankenstand bei uns in der Firma so hoch, dass es fast zur Regel wird. Ich bin richtig genervt.“ In der Corona-Zeit hat fast jeder zusätzliche Herausforderungen zu meistern. Der Psychiater und Psychotherapeut Joachim Klosterkötter, Professor an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, sagt: „Die Pandemie stellt nichts anderes als einen groß angelegten, der Menschheit von außen aufgezwungenen Stress-Test dar, dem wir alle einzeln und gemeinsam gleichermaßen unterworfen sind.“ Wie besteht man diesen Test? 


Schlechte Gefühle sind normal
 

Erst mal hilft es zu akzeptieren, dass die Belastungen durch die Corona-Zeit wohl an niemandem spurlos vorübergehen. Wenn du dich jetzt schlecht fühlst, ist das völlig normal. Und es gibt verschiedene Wege, um das zu ändern. Am Anfang kann die bloße Feststellung helfen, dass wir alle im selben Boot sitzen – du bist mit deinen Gefühlen nicht allein. Soziale Isolation kann mürbe machen, die Betreuung von Kindern kostet viel Kraft und auch schlichtweg immer neue Entwicklungen und Nachrichten zu Impfungen, Inzidenzen oder Quarantäne-Regeln zehren an den Nerven. Wenn im Job Kolleginnen und Kollegen krank werden, müssen ihre Aufgaben abgepuffert werden oder Projekte kommen vielleicht ins Stocken. Das Homeoffice kann einsam machen – es fehlt der Austausch im Team.

Auf die wichtigsten Dinge fokussieren

 

In Zeiten wie diesen sollte man sich auf die Basics besinnen: Was ist dir wirklich wichtig? „Bei mir ist das neben dem Job, den ich schlichtweg zum Geldverdienen brauche, meine Familie und meine Gesundheit“, sagt Matthias. „Ich will weder in einen Burnout schlittern noch meine Familie nicht mehr sehen.“ Deshalb hat er sich bewusst Routinen im Alltag geschaffen, die seine Prioritäten sichern: „Ich mache an mindestens zwei Tagen in der Woche spätestens 18 Uhr Feierabend – egal, was noch auf dem Tisch liegt. Außerdem gehe ich zweimal zehn Kilometer joggen, um den Kopf freizubekommen, und achte auf meine Ernährung.“ Freunde zu treffen, das schafft er derzeit selten: „Ich habe meinen engsten Freunden Bescheid gegeben und sie haben Verständnis. Statt sie auf ein Bier zu treffen, rufe ich sie jetzt häufiger auf dem Heimweg kurz an und frage, wie es ihnen geht.“


Krise als Herausforderung sehen

 

Das persönliche Stressempfinden hängt sehr davon ab, wie wir selbst die Situation wahrnehmen und beurteilen – und das können wir bewusst steuern. Laut Joachim Klosterkötter reagieren Menschen weniger mit Ängsten oder depressiven Verstimmungen, welche „die täglichen Belastungen durch die virale Krise mehr als Herausforderung erleben, die sie unter eigener ‚internaler‘ Kontrolle halten und selber meistern können.“ Wenn du dich dagegen den Quarantäne-Maßnahmen ausgeliefert fühlst und sie als von außen aufgezwungenes, „externales” Schicksal empfindest, kann das Stress produzieren, der dich langfristig krank machen kann.


Lass dir helfen!

 

Wichtig ist auch: Du darfst dir helfen lassen! Sprich mit Familie und Freundinnen oder Freunden über deine Druckpunkte, übe dich im Meditieren oder nimm die Unterstützung einer Psychologin oder eines Psychologen in Anspruch. Du kannst auch mit deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin über körperliche und psychische Symptome sprechen – er oder sie kann dir weitere Anlaufstellen empfehlen. Und bei beruflichen Fragen, wenn es um Motivation oder beispielsweise eine gute Arbeitsorganisation als Freelancer geht, können auch die Coaches von Shifoo gute Partnerinnen oder Partner sein, um konkrete Herausforderungen zu meistern. Sie kommen alle aus der IT und kennen sich mit den Fragestellungen in der Branche aus eigener Erfahrung sehr gut aus. Matthias setzt auf einen Mix aus „Grenzen setzen“ und „Bewegung“, er schafft sich ganz bewusst Freiräume und nimmt seine Routinen wichtig: „Das hilft alles ganz gut“, erklärt er. „Anstrengend bleiben die Zeiten trotzdem, aber ich habe das Gefühl, dass ich es ganz gut steuern kann.“

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