Je nach Branche bis zu 1.000 Euro mehr

Je nach Branche bis zu 1.000 Euro mehr | Golem Karrierewelt

Von Peter Ilg

Die Konjunktur schwächelt, doch laut der Studie Vergütungstrends der HR-Strategieberatung Lurse steigen die Einkommen für IT-Fachkräfte in diesem Jahr dennoch. Im Durchschnitt können sie 2020 mit einer Einkommenssteigerung von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr rechnen. Im vergangenen Jahr lag sie mit 3,0 Prozent unwesentlich höher.

Dabei gibt es aber zum Teil erhebliche Unterschiede nach Branchen: So liegen Versicherungen und Banken unter dem Durchschnitt, in der Automobilindustrie sieht es hingegen für die Beschäftigten nicht so schlecht aus, wie die Meldungen über Stellenstreichungen vermuten lassen könnten. Hier liegen die Einkommenserhöhungen nämlich auf dem Mittelwert. Komfortabel ist die Situation für Beschäftigte in der Elektrotechnik, Elektronik und der Halbleiterindustrie: In diesem Sektor sind 2020 überdurchschnittliche Gehaltssteigerungen zu erwarten.

Der Dienstleister Lurse hat für seine Studie rund 200 Unternehmen, vorwiegend börsennotierte Konzerne und große Mittelständler unterschiedlicher Branchen, nach ihren geplanten Budgets für die Gehälter 2020 befragt.

Doch es wurde nicht nur nach den Budgets gefragt, sondern auch danach, nach welchen Kriterien Entscheider einer Gehaltserhöhung zustimmen oder sie ablehnen. Wenig überraschend überragt ein Faktor alle anderen: die persönliche Leistung. Einsatz und der Beitrag eines Mitarbeiters zum Geschäftserfolg sind demnach die entscheidenden Kriterien für mehr Geld.

Überraschend ist: Bevor Arbeitgeber das Gehalt erhöhen, informieren sich drei von vier über die Einkommen bei Wettbewerbern. Beschäftigte sollten sich deswegen über branchenübliche Gehälter informieren, bevor sie ein unrealistisches Gehalt verlangen, empfiehlt Lurse in seiner Studie.

Einstiegsgehälter zwischen 40.000 und 50.000 Euro

Das können sie beispielsweise auf der Online-Jobplattform Get in IT. Der Personaldienstleister bietet einen Gehaltsrechner speziell für IT-Einstiegsgehälter an. Zielgruppe sind Berufsanfänger mit maximal zwei bis drei Jahren Berufserfahrung, unterteilt nach Berufen, Abschlüssen und Branchen.

Demnach liegt das Anfangsgehalt für IT-Berufseinsteiger aktuell zwischen 40.300 Euro in den Medien und 51.800 Euro in der Automobilindustrie. Das heißt, in der Automobilindustrie können pro Monat rund 1.000 Euro mehr verdient werden als in den Medien. Die IT-Branche selbst liegt mit einem Einstiegsgehalt von 44.600 Euro in der goldenen Mitte. Hohe Einstiegsgehälter werden auch in der Medizin und in der Energiebranche gezahlt, niedrige im öffentlichen Dienst und in der Wissenschaft.

Für die Studie Was IT-Fachkräfte von ihrem Berufseinstieg erwarten wollte Get in IT von etwa 500 Auszubildenden, Studenten und Berufsanfängern in einem Fragebogen wissen, was für sie einen Arbeitgeber attraktiv macht. An erster Stelle steht demnach ein gutes Gehalt. Gerade für Studierende ist eine hohe Vergütung der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers, eine internationale Ausrichtung ist dagegen nahezu bedeutungslos.

Neben der Branche beeinflussen Geschlecht, Beruf, Qualifikation, Größe des Unternehmens und Standort das Gehalt. Das gilt für Berufseinsteiger genauso wie für Erfahrene.

Acht Prozent über dem deutschen Durchschnittsgehalt

Nach Gehaltsstudien der Online-Jobplattform Stepstone liegt das Bruttodurchschnittsgehalt für IT-Fach- und Führungskräfte bei 62.278 Euro. Die höchsten Gehälter zahlen Banken mit 75.585 Euro. Der Branchenunterschied bei Berufserfahrenen ist damit in etwa so groß wie bei Berufseinsteigern.

Große Gehaltsunterschiede gibt es auch je nach Aufgabenfeld und Berufserfahrung. So verdienen zum Beispiel IT-Architekten mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung rund 85.500 Euro, bei Mitarbeitern in der IT-Infrastruktur sind es 23.000 Euro weniger. Auch diese Daten stammen aus dem Gehaltsreport 2019 von Stepstone.

Berechnungen des Personaldienstleisters Robert Half zeigen, dass das Gehaltsniveau der IT-Branche acht Prozent über dem Durchschnittsgehalt in Deutschland liegt. Dieses steigt seit Jahren kontinuierlich an und lag 2018 laut dem Online-Portal für Statistik Statista bei 3.380 Euro brutto monatlich bei Vollzeitbeschäftigten. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. In der Chemie sind es sechs Prozent mehr, bei Banken und Versicherungen, im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Fahrzeugbau verdienen die Beschäftigten jeweils fünf Prozent mehr als im Durchschnitt.

Robert Half geht im IT-Bereich von einer Gehaltssteigerung von durchschnittlich drei Prozent in diesem Jahr aus. "Wir stellen fest, dass die Gehaltserwartungen von Berufseinsteigern im IT-Umfeld oft zu hoch sind", sagt Emine Yilmaz, Direktorin bei Robert Half. Sie empfiehlt Bewerbern, realistische Forderungen zu stellen und sich im Vorfeld über marktübliche Gehälter zu informieren.

Hohe Gehälter müssen sich Unternehmen erst einmal leisten können. Und das hängt davon ab, wie die Konjunktur und die Geschäfte laufen. In der Automobilindustrie herrscht Krise, die IT- und Elektrobranche boomen. "Die deutsche Konjunktur ist gespalten", sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturprognosen am Ifo-Institut.

Das erwartet für das Jahr 2020 einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent, nach 0,5 Prozent im vergangenen Jahr. "Für 2021 gehen wir von 1,5 Prozent aus", sagte Wollmershäuser. Treffen diese Konjunkturvorhersagen zu, dürften die Einkommen in der IT in den kommenden Jahren stärker steigen als zuletzt. Dazu trägt bei, dass die Nachfrage nach IT-Fachleuten branchenübergreifend steigt.

 

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