Vom Einzelkämpfer zum Team Leader

Vom Einzelkämpfer zum Team Leader | Golem Karrierewelt

(Bild: Public Domain/CC0)

Von Daniela Schrank veröffentlicht am 

Wer als Teamleiter ein größeres IT-Projekt in Angriff nehmen möchte, dem sollte klar sein: Es kommt nicht nur auf fachliche Kompetenz an. Zum Erfolg sind auch Soft Skills nötig. Gerade für IT-Experten, die oft als introvertiert gelten, ergeben sich da mitunter Schwierigkeiten.

Bewerben sich Freiberufler um eine feste IT-Stelle in einem Unternehmen, sehen sie sich schnell mit einer neuen Rolle konfrontiert. Das gilt besonders in einer Führungsposition. Denn wer bisher in seinem stillen Kämmerlein als Einzelkämpfer beschäftigt war, stellt sich einer ganz besonderen Herausforderung. Auf welche Kompetenzen es neben der fachlichen Expertise ankommt, um ein erfolgreiches Projektteam zu führen, beschreibt dieser Artikel.

Wird in einem Team gearbeitet, so verbringt man mit den Kollegen oft mehr Zeit als mit der eigenen Familie, die anderen Beschäftigten sind einem besser bekannt als die Nachbarn, und die Launen der Teammitglieder sind häufiger zu ertragen als die des eigenen Partners. Leider kann man sich - im Gegensatz zum Partner - die Kollegen meistens nicht aussuchen. Da hier oft unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen, ist es wichtig, damit umgehen zu können. Genau da setzen die Soft Skills an: Denn ein Teamleiter muss ein bisschen Psychologe, Soziologe und Stratege sein. Aber auch Diplomatie und Kommunikationsfähigkeit sowie Organisationstalent und Zeitmanagement spielen eine wichtige Rolle.

Die schlechte Nachricht vorweg: Einige der beschriebenen Soft Skills lassen sich zwar erlernen, um sich diese Fähigkeiten anzueignen, ist jedoch ein erheblich höherer Aufwand nötig, als um sein fachliches Wissen zu erweitern.

Teamfähigkeit überprüfen

Hat man bisher vor allem als Einzelkämpfer Projekte realisiert, sieht man sich bei der Arbeit im Team gleich mit der ersten Fragestellung konfrontiert: Bin ich überhaupt teamfähig? Dabei bedeutet Teamfähigkeit nicht, mit seinen Kollegen gut auszukommen und "everybody's darling" zu sein. Vielmehr geht es darum, konstruktiv miteinander arbeiten zu können und sich in der Gruppe zu engagieren.

"IT-Experten haben oftmals die Eigenschaft, etwas in sich gekehrt zu sein", sagt Katharina Ringer, HR-Fachfrau und ehemalige Recruiterin für IT-Fachleute. Dies gilt es zu überwinden, wenn man ein echter Teamplayer werden möchte.

Dabei helfen auch die Unternehmen selbst. "Die Aufgabe des IT-Arbeitgebers besteht darin, mit speziellen Teamevents das Teamgefüge zu fördern - dies ist auch der Trend in der IT-Branche. Monatliche Mitarbeitertreffen, sportliche Highlights wie Spendenläufe und teambildende Spaßveranstaltungen wie Escape Rooms werden genutzt, um gemeinsame Erlebnisse zu haben", berichtet Ringer. Das Team wachse dadurch zusammen.

Eine weitere Schwierigkeit: Offene Arbeitszeitmodelle ermöglichen es, dass beispielsweise IT-Experten erst am Nachmittag ins Unternehmen kommen und daher antizyklisch arbeiten. Ohne organisierte Events oder Treffen lernen sich etwa die Mitarbeiter der Verwaltungsabteilung und die Software-Entwickler nicht kennen. "Auch regelmäßige gemeinsame Mittagessen werden von der Personalabteilung organisiert, ja fast schon angeordnet, damit selbst der schüchternste IT-Experte sich im Kreis der Kollegen wohl fühlt", sagt die HR-Fachfrau. Für den Teamleiter ist es also enorm wichtig, an solchen Events teilzunehmen.

Stärken gewinnbringend einsetzen

Generell ist die Vielfalt der einzelnen Charaktere in einem Team nicht als Problem zu sehen, sondern als eine Bereicherung, die es sinnvoll zu nutzen gilt. "Aufgabe der Führung ist es, dass die Stärken der Mitglieder zur Geltung kommen und ihre Schwächen irrelevant sind", schreiben Jens Köhler und Alfred Oswald in Die Collective Mind Methode - Projekterfolg durch Soft Skills.

Dabei sollte auf andere Teammitglieder Rücksicht genommen und auf schwächere Kollegen geachtet werden. Neugierde ist eine weitere Eigenschaft, die einem erfolgreichen Teamleiter zu eigen sein muss. Dies gilt vor allem im Hinblick auf die Mitarbeiter. Denn nur, wenn der Projektleiter die Eigenschaften seiner Kollegen kennt, kann er sie gewinnbringend einsetzen. Menschenkenntnis und eine gute Beobachtungsgabe sind dabei sehr hilfreich.

Wo mehrere Menschen zusammenkommen, treffen auch verschiedene Meinungen aufeinander. Nicht selten führt dies zu Konflikten oder gar Streit. Richtig zu streiten ist eine Kunst. Man kann sie aber erlernen.

So gehört es zur Konfliktkompetenz, den Mitarbeitern mit Taktgefühl und Überzeugungsvermögen zu begegnen. In den Aufgabenbereich des Team Leaders fällt dabei die Lösung der auftretenden Konflikte. Zumindest sollte er sicherstellen, dass die Beteiligten selbst zeitnah und selbstständig ihren Konflikt lösen, indem er vermittelnd in die Situation eingreift.

Dabei sei es wichtig, das richtige Maß an Wertschätzung gegenüber dem Arbeitnehmer beziehungsweise den Kollegen zu zeigen, sagt HR-Expertin Ringer. "Jede Abteilung ist wichtig, und so muss auch die Bedeutung der IT-Leistung für den Gesamterfolg des Unternehmens sichtbar gemacht werden. Nichtsdestotrotz gelten gerade in der IT-Branche durch ihre Komplexität klare Strukturen und Transparenz in der Kommunikation."

Für den Teamleiter bedeutet das: Er muss Kritik annehmen können und bereit sein, Kompromisse zu finden. Oft ist es wichtig, eine hohe Frustrationsgrenze zu besitzen, denn diese wird in der Teamarbeit häufig erreicht. Und dabei ist nicht aus den Augen zu verlieren, dass man gemeinsam einem Ziel entgegensteuert.

Motivieren und Begeisterung zeigen

Wer ein Team führen will, muss die anderen Teammitglieder mitreißen können. Dazu gehört, Optimismus auszustrahlen und die Kollegen von einer Vision zu begeistern, mit der auch sie sich identifizieren können. Das kann aber nur erreicht werden, wenn der Team Leader selbst von seinem Projekt überzeugt ist und hinter seinem Handeln steht.

Dies motiviert viel mehr als beispielsweise eine Gehaltserhöhung. Denn wenn der Job für 2.000 Euro keinen Spaß macht, tut er es auch nicht für 3.000 Euro. Zumindest nicht langfristig. Regelmäßiges Feedback und Lob hingegen führen dazu, dass Mitarbeiter bessere Leistungen bringen.

Dazu gehört auch, dass sich die Kollegen darauf verlassen können, was der Projektleiter verspricht. Probleme oder Veränderungen müssen offen kommuniziert werden. Dies gilt im Übrigen auch andersherum. Der Team Leader muss auf seine Mitarbeiter vertrauen.

Aufgaben verständlich formulieren

Oft gehen Teamleiter davon aus, dass ihre Mitarbeiter genau wissen, was sie tun sollen. Werden dann nicht die richtigen Leistungen abgeliefert, wird es meist als Schuld des Mitarbeiters angesehen. Doch häufig mangelt es an der effektiven Kommunikation durch den Vorgesetzten, und diese entscheidet dann über Erfolg oder Misserfolg eines Projekts.

Deshalb müssen Informationen transparent und effektiv vermittelt werden und zwar so, dass die anderen Teammitglieder sie auch verstehen. Aufgaben gilt es konkret zu formulieren. Dabei kann es hilfreich sein, dass die Mitarbeiter in eigenen Worten darstellen, was von ihnen verlangt wird. So stellt man sicher, dass die Teammitglieder die Anweisungen richtig verstanden haben.

Somit ist auch das Zuhören wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Teamführung. Denn nur, wenn der Chef die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter kennt und alle wissen, was zu tun ist, werden sie im Team erfolgreich sein.

Auch Delegieren will gelernt sein

Chaos und Stress kommen im besten Team vor. Dabei ist wichtig, dass die Zusammenarbeit nicht darunter leidet, weil jeder nur versucht, seine eigenen Aufgaben zu erledigen. In einer solchen Situation muss der Teamleiter ruhig bleiben und den Überblick behalten.

Um Missverständnisse zu vermeiden, gehört es zu den Eigenschaften eines Projektleiters, Diskussionen moderieren zu können, konstruktive Kritik zu üben und Dinge auf den Punkt zu bringen. Dabei gilt es, stets sachlich zu bleiben und auch in Krisensituationen eine kühlen Kopf zu bewahren. Dazu ist es wichtig, sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren und Blockaden zu überwinden, indem zum Beispiel ein Notfallplan umgesetzt wird, der in weniger hektischen Phasen entwickelt wurde. Auch hilft es, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen, Prioritäten zu setzen und anschließend Schritt für Schritt vorzugehen.

Wird der Arbeitsberg unüberschaubar, muss Hilfe von außen geholt oder die Aufgaben müssen delegiert werden. Derartige Situationen muss der Team Leader schnell unter Kontrolle bringen und eine ausgeglichene Atmosphäre schaffen, in der alle Mitarbeiter wieder konzentriert arbeiten können.

 

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