Müssen Frauen mehr leisten als Männer?

Müssen Frauen mehr leisten als Männer? - Golem Karrierewelt

55 Prozent der Deutschen glauben, dass Frauen im Job mehr leisten müssen, um das Gleiche zu erreichen wie Männer – das ergab eine Umfrage des Jobportals Monster. Frauen fühlen sich dabei viel stärker im Job benachteiligt: Über zwei Drittel (69 Prozent) von ihnen teilen die Ansicht, mehr leisten zu müssen, um das Gleiche zu erreichen wie ihre Kollegen. Bei den Männern sagen das nur 40 Prozent. Dabei ist sicher eine wichtige Frage, die daraus wächst: Wie gehen die Betroffenen damit um, wenn sie das Gefühl haben, sie müssen dauerhaft mehr leisten – bei wahrscheinlich gleichzeitig schlechterer Bezahlung? Demotiviert es sie, brennt es sie aus? Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten dieses Thema auf dem Schirm haben und aktiv dagegen angehen, vor allem in der IT, wo der Frauenanteil gering ist.


Jüngere Generationen sind optimistischer

 

Schaut man in der Umfrage auf die Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigen, wird ein interessanter Gap sichtbar: Teilzeitbeschäftigte glaubenwesentlich stärker, dass Frauen im Job mehr leisten müssen. Wenn man davon ausgeht, dass es meist weibliche Arbeitnehmer sind, die in Teilzeit arbeiten, dann fühlen sie sich offenbar stärker gefordert. Bei den in Vollzeit Erwerbstätigen sind es auch nur 48 Prozent, die dem zustimmen. Nur jüngere Generationen sind optimistischer: Rund 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen glauben laut der Monster-Umfrage nicht, dass Frauen im Job mehr leisten müssen. Sie stehen aber auch noch am Anfang ihres Berufslebens – die Älteren haben vielleicht schon handfeste Erfahrungen mit der Ungleichbehandlung gemacht. Denn unter den über 55-Jährigen sagen nur 29 Prozent, dass Frauen nicht mehr leisten müssen, um genauso Karriere zu machen wie die Männer.


Bewusstsein der Männer wächst

 
Dass sich aus Sicht der Frauen in den letzten Jahren kaum etwas bewegt hat, ist erst einmal ernüchternd, meint Maren Hallin, Head of Marketing DACH bei Monster. Auf der positiven Seite steht jedoch, dass sich das Bewusstsein für die nach wie vor bestehende Ungleichheit im beruflichen Kontext, vor allem in der männlichen Bevölkerung, geschärft hat. Als dpa und YouGov schon 2014 eine Umfrage zu dem Thema durchgeführt haben, stimmten nur 28 Prozent der Männer der Aussage zu, dass Frauen im Job mehr leisten müssen, um das Gleiche zu erreichen wie Männer. Das bedeutet, dass sich die Diskrepanz nicht sehr verbessert haben kann in dieser Zeit. Aber auch, dass Männer offenbar ein besseres Bewusstsein dafürgewinnen. „Diese Entwicklung bekommen Unternehmen mehr und mehr zu spüren. Es erhöht sich der Druck, Gleichberechtigung nicht bloß als Employer-Branding-Slogan auf die Fahne zu schreiben, sondern Fakten zu schaffen und wirklich zu leben“, so Hallin.

Diversität befeuert den Erfolg

Der durchschnittliche Anteil weiblicher Beschäftigter in deutschen IT-Firmen liegt laut Eco-Verband der Internetwirtschaft bei nur 16 Prozent. Dabei befeuert Diversität den Erfolg von Teams und Unternehmen. Nun bezieht sich Diversität nicht nur auf das Geschlecht, sondern auch auf Aspekte wie den kulturellen Hintergrund oder Alter und damit Berufserfahrung. Aber ein so geringer Frauenanteil bringt dennoch Probleme mit sich: Wenn Frauen weniger in IT-Projekten mitbestimmen, sie gestalten und weiterentwickeln, wird beispielsweise auch die weibliche Nutzerperspektive mit großer Wahrscheinlichkeit weniger gesehen. Das sollte sich ändern!