Allianz-CTO: "Die Trennung von Arbeit und Freizeit ist antiquiert"

Allianz-CTO: "Die Trennung von Arbeit und Freizeit ist antiquiert" | Golem Karrierewelt

(Bild: Allianz)

Ein Interview von Maja Hoock

Profi-Trompeter war sein Traum - stattdessen wurde Markus Löffler Sysadmin, Physiker, Direktor von McKinsey und der erste CTO der Allianz Versicherung. Wie schafft man als Quereinsteiger so eine Karriere in der IT?

In einer Interview-Reihe befragen wir Technikchefs zu ihrer Arbeit, ihren Einstellungskriterien und Trends. Zum Schluss gibt es noch ein Ein-Antwort-Spiel. Lasst uns im Forum wissen, welche Kandidaten und Fragen ihr euch zusätzlich fürs nächste Interview wünscht. Alle CTO-Interviews der Reihe sind hier zu finden.

Bei manchen Lebensläufen fragt man sich, wie ein Mensch das in einem einzigen Leben alles schafft. Markus Löffler, 51 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Stuttgart und arbeitet unter der Woche in München, wo sich der Hauptsitz der Allianz Versicherung befindet. Seit drei Jahren ist er der erste Chief Technology Officer (CTO) der Allianz SE und kümmert sich um die digitale Transformation des Versicherungskonzerns, der mit 100 Millionen Versicherten und 172 Milliarden Euro Umsatz im Jahr einer der größten der Welt ist.

Zuvor war er zwei Jahrzehnte lang Consultant beim Unternehmensberater McKinsey im Business Technology Office und arbeitete sich dort zum Senior Partner und Direktor hoch. Ihn beschäftigten die Modernisierung von IT, die Versicherung smarter Autos und die Digitalisierung von Versicherungen wie die seines Kunden, der Allianz - was ihn später darauf brachte, dort einzusteigen. Ermöglicht hätten ihm diese Karriere sein Faible für Technik und sein nicht linearer Lebenslauf, der ihm ein Out-of-the-Box-Denken beigebracht habe, sagt Löffler.

Als Jugendlicher träumte Markus Löffler noch von einem Leben als Profi-Trompeter, bis er sich für das Programmieren interessierte und begann, erste Programme am Computer zu schreiben. Später arbeitete er als Systemadministrator, studierte Physik und wurde am Max-Planck-Institut für Quantenoptik promoviert, wo er an Quantencomputern, Quanten-Kryptographie und Ein-Atom-Lasern forschte. Seine Stelle als CTO sieht er nun als das Beste aus allen Welten: Coden, Forschung und Entwicklung sowie Unternehmensberatung. "Wobei eine große Portion Umsetzung dabei ist und das macht mir besonders Freude", sagt er.

Golem.de: Herr Löffler, haben Sie eigentlich manchmal ein Wochenende?

Löffler: Wenn man wirklich etwas bewegen will, muss man entsprechend Einsatz bringen - das gilt für meine Stationen als Forscher am Max-Planck-Institut genauso wie als Unternehmensberater oder Technologie-Manager. Mir sind aber auch Zeit mit der Familie, Musik und Sport wichtig. Dafür halte ich die Wochenenden weitgehend frei von der Arbeit und habe längere Tage unter der Woche.

Golem.de: Hätten Sie sich manchmal gewünscht, mehr Freizeit gehabt zu haben im Leben?

Löffler: Nein - ich hatte immer eine gute Balance und habe immer selbstbestimmt gearbeitet. Im Übrigen halte ich eine strikte Trennung des Lebens in Arbeit und Freizeit für antiquiert. Ich habe sowohl im Beruf als auch privat immer mehr Ideen, als ich umsetzen kann. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der Tag ein paar mehr Stunden hat.

Golem.de: Menschen wie Sie, die in der IT erfolgreich sind, haben oft bereits eine lange Computer-Historie. Haben Sie sich schon immer für Computer interessiert?

Löffler: Für Technik und Naturwissenschaften habe ich mich immer interessiert und ich habe als Schüler mit meinem 286er ein bisschen programmiert. Die große Begeisterung für Computer kam allerdings erst mit der Anwendung für analytische und numerische Verfahren in der Physik.

Golem.de: Was haben Sie damals genau programmiert?

Löffler: Ich habe fraktale Strukturen in der Mathematik, der Natur und der Musik verglichen und dazu ein paar Programme geschrieben und eine Bach-Invention analysiert.

Golem.de: Was war Ihr Schlüsselmoment als Jugendlicher, ab dem Sie wussten: Ich gehe in die Physik?

Löffler: Als ich bei Jugend Musiziert gesehen habe, wo die Latte für wirklich gute Profimusiker liegt - und mir klar wurde, dass ich als Physiker auf Top-Niveau an den spannendsten Themen arbeiten kann, die Musikkarriere aber doch keine so gute Idee ist.

Experimentieren an der Grenze des Machbaren und Sinnvollen 

Golem.de: Als Physikstudent haben Sie dann am Max-Planck-Institut gearbeitet und dort auch promoviert. Was hat Sie in Ihrer Zeit dort besonders fasziniert?

Löffler: Ein Postdoc am Max-Planck-Institut hat einen Laser gebaut, der nur aus einem einzigen Ion besteht. Für dieses System habe ich in meiner Dissertation und einigen Publikationen Vorhersagen gemacht. Das Experiment ging in vielerlei Hinsicht an die Grenzen der Machbaren und technisch Sinnvollen: extreme Kälte von 1 bis 2 Kelvin, also ein bis zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt von - 273 Grad Celsius, Ultrahochvakuum, ein Tisch, der aktiv gelagert auf einem eigenen Fundament stand, um ruhig genug zu sein, supraleitende Spiegel, Laser, die komplett außerhalb des Bereichs liefen, die der Hersteller garantiert hat.

Es hat mich sehr beeindruckt, wie man der Natur ihre Geheimnisse mit großen Rechnern, viel mathematischer Physik und spektakulärer Labortechnik entreißen kann. Letztlich sind solche Systeme die Grundlage für Quantencomputer.

Golem.de: Sie haben damals Ihre eigenen Programme für Ihre Forschungsarbeit geschrieben. Welche waren das?

Löffler: Zwei Beispiele: Für den oben beschriebenen Laser habe ich das Lichtspektrum berechnet, wobei sowohl das Lichtfeld als auch die atomaren Zustände als auch die Bewegung des Ions quantenmechanisch beschrieben wurden.

Ein anderes Beispiel ist ein Programm, mit dem ich meinen ersten Physical Review Letter publizieren konnte: Ich habe einen Spiegel erfunden, der die Phase des Lichts um 180 Grad dreht, sodass beispielsweise bei der Kommunikation mit einem Satelliten die Störungen der Atmosphäre auf dem Rückweg "automatisch" korrigiert werden. Dazu habe ich im Detail die optischen Eigenschaften eines speziellen Gases bei der Interaktion mit vier Lasern berechnet.

Golem.de: Was war ein Highlight in Ihrer Zeit als Sysadmin am Max-Planck-Institut? Was war besonders kurios?

Löffler: Ein Highlight war, dass plötzlich das PowerPC Cluster 30 Prozent mehr Leistung hatte, nachdem ich, ohne um Erlaubnis zu fragen, über Nacht AIX durch Linux ersetzt habe. Kurios war, dass ich einen Super-Computer zum Absturz brachte, weil ich bei der Optimierung des binären Maschinen-Codes aus Versehen Teile des Betriebssystems überschrieben habe.

Mittlerweile reicht mir aber die Aufgabe als Sysadmin im heimischen Netzwerk und ich bin froh, dass wir wirklich professionelle Sysadmins bei der Allianz haben.

Golem.de: Wie kam es dann zu Ihrem Schritt vom Physiker zum IT-Experten?

Löffler: Ich habe in theoretischer Quantenoptik geforscht. Dabei ging es sehr viel um numerische Verfahren und ich habe auf den damals größten Rechnern die Grenzen des sinnvoll mit IT Machbaren ausgelotet. Daneben habe ich ein Rechner-Cluster administriert und mich sehr früh mit Open Source als User und als Programmierer beschäftigt.

Vom McKinsey-Direktor zum ersten Allianz-CTO

Golem.de: Nach Ihrer Zeit am Max-Planck-Institut gingen Sie zu McKinsey und stiegen dort zum Direktor auf. Dürfen Sie verraten, welchen Kunden Sie bei McKinsey betreut haben?

Löffler: Einzelne Klienten kann ich nicht nennen, mit einer Ausnahme: die Allianz war über viele Jahre mein wichtigster Klient. Ich habe immer sehr bewusst Klienten aus verschiedenen Branchen auf allen Kontinenten beraten, das umfasst vor allem High Tech, Manufacturing, Transportation & Logistics.

Golem.de: Wie kamen Sie zur Stelle als CTO bei der Allianz Versicherung?

Löffler: Die Stelle als CTO wurde neu geschaffen und Teil meiner Aufgabe war anfangs, diese zu definieren und auszufüllen.

Golem.de: Was genau machen Sie als CTO?

Löffler: Ich kümmere mich um die Umsetzung der Allianz-Strategie, insbesondere um das Customer Model. Das Allianz Kundenmodell (ACM) soll unser Geschäft gruppenweit vereinfachen, harmonisieren und digitalisieren. Hier transformieren wir alles, von der Produktgestaltung und Preisgestaltung bis hin zu unserem Vertriebsansatz, den Schadenprozessen und den Back-Office-Abläufen. ACM setzt bei unseren Kunden an, die keine komplexen Versicherungsprodukte mit unzähligen Varianten benötigen.

Um die digitale Transformation voranzutreiben, beschäftige ich mich mit einem sehr breiten Spektrum an Themen, von Strategie und Architektur über Delivery-Exzellenz in Projekten und Betrieb, bis zu ökonomischen Fragen und IT Sicherheit, etwa: Wie gelangt unsere Strategie in jedes unserer Produkte und wie müssen wir unsere Technologie verfeinern, um die Allianz zu einem wirklich digitalen Unternehmen zu machen?

Golem.de: Und wie sieht für gewöhnlich Ihr Arbeitstag aus?

Löffler: Ein typischer Arbeitsalltag heißt, dass ich die Strategie ausarbeiten und erklären muss, dass einzelne Projekte Entscheidungen verlangen oder Probleme an bestimmten Systemen gelöst werden müssen. Aber auch IT-Sicherheitsfragen und Entscheidungen über Budget und Ausgaben gehören dazu.

Golem.de: Sie sind jetzt seit drei Jahren CTO. Welche technischen Neuerungen konnten Sie in dieser Zeit bei der Allianz anstoßen oder umsetzen?

Löffler: Die beiden Neuerungen, die wohl den größten Einfluss haben, sind, dass wir gleich in meinem ersten Monat eine Hybrid-Cloud-Strategie mit einer Präferenz für Public Cloud und zwei strategischen Partnern etabliert haben. Davor hatten wir eine Private-Cloud-Strategie im eigenen Rechenzentrum. Und für unser Kerngeschäft haben wir eine globale Plattform, die IT Master Platform, entwickelt, die passgenau für unsere Geschäftsstrategie konfiguriert und derzeit global für alle Geschäftsfelder ausgerollt wird.

Alle Reste von Bürokratie beseitigen

Golem.de: Wie schaffen Sie denn den Spagat zwischen versicherungstypischer Bürokratie und nötiger Agilität der Tech-Branche?

Löffler: Wir arbeiten gemäß der Strategie Simplicity wins intensiv daran, alle Reste von Bürokratie zu eliminieren. Was allerdings als Spannungsverhältnis bleibt, ist, dass wir in vielen Bereichen, wie zum Beispiel Datenschutz oder auch Risiko-Management, einem Null-Fehler-Ansatz folgen müssen. Das Bananen-Prinzip vieler Tech-Player, bei dem Produkte beim Kunden reifen, können wir uns nicht erlauben. Trotzdem ist unsere IT durchaus auf dem Level führender Tech Companys.

Golem.de: Welches technische oder rechtliche Problem aus ihrem Berufsalltag würden sie lösen, wenn Sie einen magischen Wunsch frei hätten?

Löffler: Große, vertikal skalierende Datenbanken magisch in horizontal skalierende Architekturen zu bringen, wäre klasse. Das würde unsere Cloud-Transformation und die Konvergenz von transaktionalen und analytischen Systemen massiv beschleunigen.

Golem.de: Entwickelt Ihr Team auch selbst Software und Apps? Oder setzen Sie eher auf Akquisitionen und Kooperationen?

Löffler: Unsere Strategie ist es, Software vom Markt zu kaufen, am besten als Software as a Service (SaaS), und diese für die Allianz-Plattform zu integrieren. Wir sind exzellent dabei, Software für unser Geschäft zu integrieren und zu konfigurieren, entwickeln können führende Software-Anbieter besser.

Die einzige Ausnahme ist unser Kernversicherungssystem, Allianz Business System, ABS. Das entwickeln wir selbst, weil es Marktlösungen überlegen ist. Mit unserem Partner Microsoft stellen wir dieses System durch unsere Tochter Syncier auch Dritten als SaaS-Lösung zur Verfügung. Das ABS ist das Kernsystem, das unsere Kunden-, Vertrags- und Schadendaten verwaltet.

Golem.de: Welche Programmiersprache ist für Ihre Arbeit am relevantesten und programmieren Sie noch selbst?

Löffler: Am meisten Lines of Code produzieren wir in Java und Angular. Für die Allianz programmiere ich nicht mehr selbst, das ist wohl auch besser so. Ich habe aber viel Spaß zu Hause mit kleinen Projekten wie der automatischen Gartenbewässerung.

Golem.de: Dass ein Versicherer selbst Software entwickelt und verkauft, ist sicher nicht die einzige Veränderung der Branche durch die Digitalisierung. Wie haben sich Versicherungen generell dadurch verändert?

Löffler: Die wohl wichtigste Veränderung ist, dass unsere Kunden nicht mehr zwischen Branchen unterscheiden - es genügt nicht, innerhalb der Versicherungsindustrie eine gute Kundenerfahrung zu bieten, wir müssen uns mit digitalen Marktführern aus anderen Branchen messen. Wenn ein Kunde im Einzelhandel Möbel oder Sportartikel angenehm und einfach kauft, müssen wir uns digital mit solchen Marktführern aus allen Branchen messen.

Ist der Versicherte schon gläsern?

Golem.de: Stichwort Versicherung und Data Science: Viele Menschen denken an gläserne Bürger und die Sport-App, die der Versicherung verrät, wie oft ich Joggen gehe und wie hoch ein Risiko für Folgeerkrankungen ist. Ist das "Healthy Living"-Konzept, also die Integration von Alltagsdaten in die Gebührengestaltung, bereits Realität bei der Allianz?

Löffler: Wir verfolgen sehr genau, was in den verschiedenen Märkten Kunden von uns erwarten und wie sich die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln. Aus technologischer Sicht sind wir schon sehr weit; was wir davon wann in den Markt bringen, ist eine Business-Entscheidung, die wir sehr sorgfältig abwägen. Für Healthy Living heißt das zum Beispiel, dass man Daten technisch nutzt, um eine gesunde Lebensführung zu belohnen.

Es ist aber eine Geschäftsentscheidung, ob man das in einem Markt auch tun möchte oder ob man möchte, dass das Kollektiv der Versicherten riskante Lebensweisen Einzelner mitträgt. Auch hängt das natürlich auch von den lokalen Regulatoren ab.

Wer viel arbeitet, ist gesünder

Golem.de: Bekomme ich künftig vielleicht keine Versicherung mehr, wenn meine Apple-Watch preisgibt, dass ich zehn Stunden am Tag am Schreibtisch sitze?

Löffler: Da würde ich mir keine Sorgen machen, statistisch gesehen sind Menschen, die viel arbeiten gesünder und leben länger als der Durchschnitt. Aber im Ernst: Es wird wohl eine Differenzierung geben: Manche Kunden werden Versicherungsprodukte präferieren, die ihr individuelles Risiko und Verhalten möglichst genau und fair berücksichtigen, beispielsweise eine defensive Fahrweise oder eine gesunde Ernährung, andere möchten lieber undifferenziert Teil eines Kollektivs sein.

Golem.de: Warum muss man eigentlich immer noch ewig rumtelefonieren, um in Berlin einen Termin beim Facharzt zu bekommen? Sollte das nicht eigentlich längst alles flächendeckend digital über meine Versicherung laufen? Arbeiten Sie an einer Lösung?

Löffler: In die Beziehung zwischen Arzt und Patient dürfen wir uns, nicht zuletzt wegen legaler und regulatorischer Limitationen, nicht einschalten. Wenn es um die Reparatur Ihres Autos geht, können wir uns da schon umfassend kümmern.

Golem.de: Welche Entwicklungen sind im Bereich Predictive Analytics - also mit Hilfe von Daten Vorhersagen zu treffen - wegweisend? Woran arbeiten Sie mit Ihrem Team gerade dahingehend?

Löffler: Am meisten Bewegung ist sicherlich im Bereich der Industrie 4.0, dort befinden wir uns bereits in der globalen Skalierung. Sehr spannend für uns ist auch künstliche Intelligenz vor der eigenen Haustüre, im IT-Betrieb. Zum Beispiel erlaubt uns Predictive Analytics die Vorhersage von Wartungsbedarf bei Industrieanlagen, die wir versichern, und ermöglicht uns so, bessere Ausfallversicherungen anzubieten. Auch in einem Rechenzentrum kann man mit Vorhersagen zum Beispiel von Lastspitzen bessere Qualität und bessere Auslastung der Systeme liefern.

Golem.de: Was sind die größten Big-Data-Herausforderungen, denen die Versicherung der Zukunft begegnen muss?

Löffler: Die Bedeutung proprietärer Daten innerhalb unserer Industrie bleibt hoch, wird aber komplementiert durch Daten Dritter und vor allem auch durch öffentlich verfügbare Daten. Das ist ein Paradigmenwechsel für die Versicherungsindustrie - traditionell war unserer proprietärer "Datenschatz" ein wichtiges Asset, jetzt entsteht Wert nur durch intelligente Nutzung und Augmentierung dieser Daten.

Nehmen Sie zum Beispiel den intelligenten Haushalt: Geräte im Haus, die bereits Daten verarbeiten, erleichtern auch die eigene Schadenprävention und -behebung.

Golem.de: Wie stehen Sie denn zu den strengen Datenschutzregeln der EU? Sind sie für eine Modernisierung der Versicherungen ein Fluch oder ein Segen?

Löffler:Größtenteils sind sie ein Segen - hohe Standards für Datenschutz sind essenziell für uns und unsere eigenen Standards sind meist noch viel höher als die gesetzlichen Vorgaben. Es ist gut, wenn sich da auch alle Wettbewerber und die Attacker aus anderen Industrien daran halten müssen.

Das sind die Einstellungskriterien des Allianz-CTOs

Golem.de: Unter unseren Lesern sind Top-Programmierer und IT-Spezialisten. Wie können Sie sie für die Arbeit bei der Allianz gewinnen? Was zeichnet Ihr F&E-Team aus?

Löffler: Bei uns ist IT Kerngeschäft und integraler Teil unserer Strategie und wir arbeiten an einigen der interessantesten Themen für Programmierer und IT-Spezialisten. Außerdem sind wir eine leistungsstarke Organisation und globaler Marktführer. Algorithmen und Programme zur Risikomodellierung sind zudem sehr spannend - und auch die Möglichkeit, mit Kollegen aus aller Welt gemeinsam an globalen Plattformen zu arbeiten, ist sehr attraktiv.

Golem.de: Sie sind selbst multidisziplinär aufgestellt. Verlangen Sie von Bewerbern in der Software-Entwicklung ein abgeschlossenes Informatikstudium oder haben Sie durch Ihre eigene Laufbahn ein Herz für Quereinsteiger?

Löffler: Absolut. Wichtiger als das Studienfach sind für mich die akademische und berufliche Leistung und der persönliche Track Record, also eine Entwicklung, am besten nicht nur "eindimensional" im Beruf.

Golem.de: Wie verläuft ein typisches IT-Bewerbungsgespräch bei der Allianz - gibt es Live-Coding? Müssen Aufgaben gelöst werden? Wie viele Runden gibt es? Welche Frage stellen Sie immer und warum?

Löffler: Der Ablauf der Bewerbungsgespräche ist sehr unterschiedlich, je nach Rolle: Für die CIO-Rolle in einer Operating Entity stellen wir natürlich andere Fragen als für IT-Entwickler. Für letztere machen wir in der Tat auch Live-Coding. Ich stelle neben Fragen zur Technologie-Kompetenz auch immer Fragen, um Business Judgement und die Persönlichkeit der Bewerber zu verstehen.

Golem.de: Welche technischen Fähigkeiten sind Ihnen bei IT-Mitarbeitern besonders wichtig?

Löffler: Generell ist ein Track Record mit exzellenten Leistungen und eine reife Persönlichkeit wichtiger als spezifische Skills; letztere lassen sich immer lernen.

Golem.de: Was wäre für sie ein KO-Kriterium, damit eine Person bei Ihnen nicht angestellt wird?

Löffler: Zweifel an der persönlichen Integrität und mangelnde akademische und berufliche Erfahrung.

Golem.de: Zum Schluss bitte ich Sie noch um ein paar ganz schnelle Antworten. Denken Sie nicht lange nach, schießen Sie einfach los!

Das beste Fachbuch? Lieblingsfigur aus Star Wars? Lieblingsprogrammiersprache?

Golem.de: Das beste Fachbuch?
Löffler: Gödel, Escher, Bach

Golem.de: Das beste IT-Blog?
Löffler: Connect with Oliver, der Blog unseres CEO - leider nicht öffentlich!

Golem.de: Der beste IT-Podcast?
Löffler: IQ Wissenschaft und Forschung (ARD), nicht nur IT - erweitert den Horizont

Golem.de: Die beste IT-Messe?
Löffler: Messen sind für mich nicht wirklich relevant

Golem.de: Das beste IT-Event?
Löffler: Websummit

Golem.de: Worin sollte man sich 2021 weiterbilden?
Löffler: Innovation und Wachstum, wir müssen nach der Krise schnell zu einem besseren "new normal" kommen.

Golem.de: Sind Sie nach Dienstschluss erreichbar für Kollegen?
Löffler: Ich habe keinen Dienstschluss; aber früh morgens, spät abends und vor allem am Wochenende ist es hoffentlich wichtig, wenn mich Kollegen kontaktieren.

Golem.de: Welcher Passwortmanager?
Löffler: USB-Stick im Banksafe.

Golem.de: Welches VPN?
Löffler: Allianz Global Network

Golem.de: Was darf auf Ihrem Schreibtisch neben dem Arbeitsgerät nicht fehlen?
Löffler: Kaffee. Und Tee, damit ich nicht zu viel Kaffee trinke!

Golem.de: Viele Spezialisten in Teams oder weniger, dafür Allrounder?
Löffler: Beide Extreme sind nicht hilfreich. Ich erwarte ein "T-Shape": Jeder muss etwas wirklich gut als Spezialist können, aber auch Allround-Fähigkeiten haben.

Golem.de: Lieblingsfigur aus Star Trek?
Löffler: Data - manchmal wünsche ich mir, alles wäre so logisch.

Golem.de: Erste Programmiersprache?
Löffler: Basic

Golem.de: Liebste Programmiersprache?
Löffler: Assembler

Golem.de: Lieblings-Open-Source-Software?
Löffler: LaTeX

Golem.de: Kubernetes oder OpenStack?
Löffler: Für die Allianz: Kubernetes

Golem.de: Android oder iOS?
Löffler: iOS fürs Telefon, Android für die Fitnessgeräte im Home-Gym

Golem.de: Clickpad oder Trackpoint?
Löffler: Sprachsteuerung

Golem.de: Windows, MacOS oder Linux?
Löffler: In der Allianz: Windows für Workplace, Linux für Server. Privat: Alles drei, Linux in Virtualbox auf dem Mac

Golem.de: Tabs oder Spaces?
Löffler: Tabs

Golem.de: Viel ausprobieren oder never change a running system?
Löffler: Kommt auf das System an.

Golem.de: Sprint?
Löffler: Sprint-Reviews sind meine liebsten Meetings.

Golem.de: Agile?
Löffler: Glorifizierter gesunder Menschenverstand.

Golem.de: Scrum
Löffler: Siehe Agile.

Golem.de: Waterfall?
Löffler:In der Natur schön anzusehen.

Golem.de: Monolit?
Löffler: Siehe Wasserfall; besonders schön in den Dolomiten.

Golem.de: Change?
Löffler: Ist eine Mentalitätsfrage.

Golem.de: Kubernetes
Löffler: Funktioniert.

Golem.de: Headless?
Löffler: Bei Gitarren very 80ies, bei Chicken nicht gut, in der API-zentrierten Architektur table stake.

Golem.de: TechStack?
Löffler: Muss bei Business Capabilities anfangen.

Golem.de: Standup?
Löffler: Lieblingsmeetings - siehe Sprint.

Golem.de: Digitalisierung?
Löffler: Kerngeschäft.

veröffentlicht am 15. September 2021

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