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Quereinstieg in die IT: Von der Elektrochemikerin zur Software-Projektleiterin

Quereinstieg in die IT: Von der Elektrochemikerin zur Software-Projektleiterin

Als promovierte Elektrochemikerin gelang Anita Grupp der Weg von der chemischen Bauteilbehandlung in die IT-Projektleitung. In unserer Interviewreihe erzählt sie, wie sie in die Softwareentwicklung eingestiegen ist und welche Herausforderungen sie dabei überwinden musste.

Unsere Interviewreihe zum Thema Quereinstieg:

Der Quereinstieg in die IT ist für viele eine attraktive Möglichkeit, ihre Karriere neu auszurichten und sich in einem zukunftssicheren Bereich zu etablieren. Wir haben in den IT-Abteilungen von Bosch nach Quereinsteigern gefragt und bemerkenswerte Karrierewege entdeckt. Anita Grupp fand nach ihrer Promotion in Elektrochemie zu Bosch, wo sie heute als Gesamtprojektleiterin globale Projekte zur kontinuierlichen Softwareentwicklung leitet. 

Seit 2019 ist sie in der IT-Branche tätig, wo sie als Scrum Master und IT-Projektleiterin arbeitete. In diesem Interview teilt sie ihre Erfahrungen und gibt wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen eines Quereinstiegs in die IT. 

Golem Karrierewelt: Wie sind Sie von Ihrer ursprünglichen Ausbildung oder Karriere in die IT und in Ihre jetzige Position gelangt? Können Sie Ihren Werdegang kurz skizzieren? 

Grupp: Ich habe ursprünglich Chemie studiert und anschließend in Elektrochemie promoviert. Nach meiner Promotion habe ich direkt bei Bosch angefangen, allerdings zunächst über eine Leasingagentur im Bosch-internen Maschinenbau. Dort habe ich als Prozessentwicklerin im chemischen Bereich gearbeitet, speziell im Electrochemical Machining. Wir haben Maschinen entwickelt, die Bauteile wie zum Beispiel Zylinderköpfe und Ventilstücke elektrochemisch bearbeiten. Zwei Jahre später wurde ich von Bosch übernommen und habe weitere zwei Jahre im Maschinenbau gearbeitet. 

Während dieser Zeit sind wir in die Batterieentwicklung eingestiegen, was ein sehr dynamisches Umfeld war. Wir haben angefangen, agil zu arbeiten, und ich wurde Scrum Master, während ich weiterhin als Prozessentwicklerin tätig war. Das Interesse an agilen Methoden führte dazu, dass ich mich immer mehr in diese Richtung orientierte. Schließlich wechselte ich aus persönlichen Gründen den Bereich und bin seit 2019 in der Softwareentwicklung tätig, mittlerweile als Gesamtprojektleiterin für ein globales Projekt zur kontinuierlichen Softwareentwicklung. 

Was hat Sie dazu bewogen, in die IT zu wechseln? War es eine bewusste Entscheidung oder sind Sie durch Ihre vorherigen Tätigkeiten in die IT gerutscht? 

Grupp: Es war eine Mischung aus beidem. Die Entscheidung, mich stärker in Richtung agiler Methoden zu orientieren, war bewusst. Der Wechsel in die Softwareentwicklung ergab sich dann organisch aus meiner Arbeit als Verantwortliche für agile Methoden im Maschinenbau. Ich fand die agilen Prinzipien sehr wertvoll und wollte diese auch in der Softwareentwicklung anwenden. 

Gab es vorher Berührungspunkte mit der IT? 

Grupp: Eigentlich hatte ich keine Berührungspunkte mit der IT. Ich wusste, wie man einen Rechner anschaltet und habe Excel benutzt, aber das war es auch schon. Die strategischen Aspekte haben mich dann in die IT geführt. 

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Entscheidung, in die IT zu wechseln? 

Grupp: Ja, absolut. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Die Arbeit in der IT bietet mir viele Möglichkeiten, und ich habe das Gefühl, dass ich hier genau richtig bin. Natürlich gibt es Momente, in denen ich an meine Zeit im Labor oder Maschinenbau zurückdenke, aber insgesamt bin ich glücklich mit meinem Weg.

Anita Grupp

"Man muss sich jedes Mal neu beweisen, viel lernen und Erfahrungen sammeln, bis die Leute merken, da steckt was dahinter." (Bild: Anita Grupp)

Welche Weiterbildungen haben Sie in Betracht gezogen oder genutzt, um sich weiterzuqualifizieren? 

Grupp: Tatsächlich habe ich keine formellen Schulungen gemacht. Stattdessen habe ich in meiner Freizeit viel im Internet recherchiert, um mir Fachbegriffe und Themen selbst beizubringen. Ein großer Teil meiner Weiterbildung bestand darin, mit Experten zu sprechen, Fragen zu stellen und mir die Zusammenhänge erklären zu lassen. Es gibt immer noch tagtäglich Momente, in denen ich auf neue Begriffe stoße, die ich noch nie gehört habe. Dann schreibe ich sie mir auf, recherchiere, schaue im Internet nach oder frage Kollegen, ob sie mir das erklären können. Ich muss keinen Code entwickeln oder technische Details programmieren, sondern ich muss verstehen, warum Dinge auf eine bestimmte Weise gemacht werden. So kann ich die Hintergründe begreifen und die richtigen Fragen stellen, um die Zusammenhänge als Big Picture zu sehen und fundierte Entscheidungen zu treffen. 

Wo lagen die größten Hürden auf Ihrem Weg? 

Grupp: Zum Glück hatte ich keine großen Hürden wie abgelehnte Bewerbungen. Aber dass ich bei jedem Fachwechsel wieder bei null anfangen musste, war wahrscheinlich die größte Hürde. Ich komme aus der Chemie und wechsle in den Maschinenbau – da denken die Leute, "Was will die denn hier?" Das sagt natürlich niemand, aber man weiß, dass die Leute so denken. Man muss sich jedes Mal neu beweisen, viel lernen und Erfahrungen sammeln, bis die Leute merken, da steckt was dahinter. Bei jedem Wechsel fängt man wieder von vorne an, egal, wie gut man im vorherigen Bereich war.  

Aus heutiger Sicht wäre es sicher einfacher gewesen, wenn ich Maschinenbau oder Informatik studiert hätte. Das hätte mir einiges an Lernen neben der Arbeit erspart. Aber bei Bosch wird mehr Wert auf praktisches Know-how als auf Zertifikate gelegt, und das hat mir geholfen. 

Was sind Ihre aktuellen Aufgaben im Detail? 

Grupp: Ich bin derzeit Projektleiterin für ein globales Projekt zur kontinuierlichen Softwareentwicklung. Das umfasst die Einführung und Verbesserung von Continuous Integration, Testing und Deployment in unseren Kundenprojekten weltweit. Zusätzlich bin ich Scrum Master für ein kleines Team und kümmere mich um organisatorische Aufgaben wie Bestellungen, Inventuren und die Koordination mit externen Firmen und dem Ausland. 

Wie sehen Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft aus? Welche Tätigkeiten oder Qualifizierungen streben Sie an? 

Grupp: Langfristig möchte ich in die Linienführung gehen. Ich arbeite gerne mit Menschen und denke, dass ich in der Personalentwicklung einen wertvollen Beitrag leisten kann. Ich bilde mich kontinuierlich weiter in Bereichen wie Projektmanagement und Kommunikation, um meine Führungsqualitäten zu stärken. 

Quereinsteiger kommen heute am Thema künstliche Intelligenz nicht mehr vorbei. Welche IT-Bereiche sehen Sie am wenigsten gefährdet, durch Automatisierung überflüssig zu werden? 

Grupp: In einem spezialisierten Umfeld, wie der Steuergeräteentwicklung, sehe ich weniger Risiko durch Automatisierung. Bereiche, die komplexe und spezialisierte Aufgaben umfassen, sind weniger gefährdet. Allerdings sollten wir alle die Entwicklungen in der Automatisierung und KI im Auge behalten und uns kontinuierlich weiterbilden.  

Wie würden Sie heute in die IT quereinsteigen? Würden Sie Freelancing in Betracht ziehen, Onlinekurse absolvieren, Zertifizierungen anstreben oder sich einem großen Unternehmen wie Bosch anschließen? 

Grupp: Ein großes Unternehmen wie Bosch bietet sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Nachteil ist definitiv, dass Entscheidungen länger dauern und Veränderungen nicht so schnell vorgenommen werden können wie in einem kleineren Unternehmen. Wenn ich an neue Technologien und Methoden denke, arbeiten wir hart daran, diese zu implementieren, aber wir sind ein großer Tanker mit vielen Kunden und etablierten Prozessen. Das bedeutet, dass wir Veränderungen nicht so schnell umsetzen können wie kleinere, agilere Unternehmen. 

Auf der anderen Seite bietet ein großes Unternehmen viele Sicherheiten und Möglichkeiten. Man kann zwischen verschiedenen Bereichen wechseln, wenn sich die Interessen ändern, und hat die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, da es viele internationale Standorte gibt. Für Quereinsteiger ist das eine großartige Chance, verschiedene Dinge auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln. 

Grundsätzlich würde ich jedem Quereinsteiger raten, sich per Selbststudium weiterzubilden. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, Dinge zu lernen, sei es durch Bücher, Volkshochschulkurse oder Online-Seminare. Wichtig ist, dass man die Initiative ergreift und kontinuierlich lernt. Die persönliche Motivation ist entscheidend, um in einem Bereich erfolgreich zu sein oder einfach nur einen wertvollen Beitrag zu leisten.

 

Bild: Pexels.com/Freepik.com 

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