Führung und Management: Moderne Führungskräfte haben mehr Spaß

Führung und Management: Moderne Führungskräfte haben mehr Spaß | Golem Karrierewelt

von Juliane Gringer

Die provokante Frage gleich zuerst: Warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen, eine moderne Führungskraft zu sein oder zu werden?



„Nicht umsonst heißt es: Stillstand bedeutet Rückschritt“, sagt Nils Schmidt, Rechtsanwalt und Vorstand im DFK - Verband für Fach- und Führungskräfte. „Das Leben entwickelt sich sehr schnell.” Gesellschaft und Wirtschaft - alles verändere sich kontinuierlich und das in sehr hohem Tempo. „Wir erleben im Moment so viele Entwicklungen gleichzeitig, wie sie sonst nur über Generationen hinweg passieren. Darauf muss man sich einstellen. Man muss mitgehen, sonst hängt einen die Gegenwart ganz schnell ab.“ 

Emotionale Intelligenz und Engagement  

Noch nicht ganz ausgestorben, wenn auch nur noch selten anzutreffen, ist der patriarchische Führungsstil: Vorgesetzte, die vor allem in Familienunternehmen das Zepter kaum aus der Hand geben wollen - in dem Glauben, dass das, was schon immer funktioniert hat, sicher auch weiterhin funktionieren werde. „Doch denen laufen die Leute davon, die finden kaum neue gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Schmidt. „Diesen strikt hierarchischen Stil, den lässt niemand mehr mit sich machen. Die Jüngeren sicher noch weniger als die Älteren.“  

Moderne Führung dagegen schaut nach vorn: Sie verbindet emotionale Intelligenz mit Engagement und einer hohen persönlichen Motivation für den Job. Moderne Führungskräfte leiten ihre Teams an, statt nur To-dos zu delegieren. Sie gehen gemeinsam mit ihnen Aufgaben an. Sie geben auch Verantwortung an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, arbeiten mit modernen Methoden, setzen auf agile Führung. Denn weniger die Technologie, sondern vielmehr die Menschen stehen im Mittelpunkt: Sie stoßen Prozesse an und machen Weiterentwicklung möglich. 
 

Kontinuierliche Veränderung  

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Moderne Führung bedeutet, offen für Veränderungen zu sein. „Als Vorgesetzte oder Vorgesetzter muss ich noch deutlich mehr als jeder und jede im Team einsehen, dass ich mich kontinuierlich verändern muss“, sagt Schmidt. „Wer sich damit schwertut, bleibt schnell auf der Strecke.“ Für den Experten ist die Freude an Veränderung auch einer der wichtigsten motivierenden Faktoren: „Ich finde, Führen macht dann Spaß, wenn man Lust hat, Veränderungen mitzugestalten und es wirklich ein innerer Antrieb ist, neue Dinge umzusetzen. Wenn ich dann sehe, dass mein Team etwas mit umsetzt und die Erfolge kommen, kann das sehr erfüllend sein.“ 

 Es gibt einiges an Fachliteratur zu dem Thema: Zahlreiche Ratgeber vermitteln praktische Tipps, wie man gut durch den Vorgesetzten-Alltag kommt, welche Fallstricke vermieden und welche Themen angegangen werden sollten. In Workshops sind Rollenspiele unter professioneller Begleitung möglich. „Ich habe das ja früher auch gehasst“, erzählt Nils Schmidt, „aber die bringen wirklich etwas. Weil man von anderen bewertet wird und ein direktes, klares Feedback bekommt.“ Wer sich selbst gut reflektieren könne, könne das auch alleine leisten - alle anderen sollten sich laut dem Experten Hilfe holen. Deshalb empfiehlt er auch gezieltes Coaching: „Coaching hilft. Vor allem, wenn es begleitend zum Beruf läuft, die individuellen Stärken klarmacht und gezielt fördert, kann es sehr nützlich sein.“ 

 
Sympathisch, aber nicht zu „kumpelig“

Eine Sorge haben viele, die eine Führungsrolle innehaben oder übernehmen und auf einen modernen Stil setzen: Sie wollen Respektspersonen sein und gleichzeitig sympathisch wirken, aber nicht zu „kumpelig“. Dass man in dieses Image abrutsche, kann laut Schmidt tatsächlich passieren, „wenn man als Chef oder Chefin alles immer nur noch gut machen möchte, jedes Anecken vermeidet und rein auf eine Feelgood-Stimmung im Team setzt“. Ein gutes Betriebsklima, in dem alle gerne zur Arbeit gehen, sei natürlich wichtig: „Aber ich darf nicht dazu abwandern, dass ich es allen recht mache. Ich muss auch unangenehme Entscheidungen treffen und ich muss zu ihnen stehen. Der Kumpel ist keine gute Führungskraft - und das ist er auch noch nie gewesen.“ 

Ob man sich duzt oder siezt, hat Schmidt zufolge übrigens keinen Einfluss darauf, ob man als Vorgesetze oder Vorgesetzter ernst genommen wird: „Man kann sich duzen und trotzdem Respekt voreinander haben. Das sieht man zum Beispiel bei Unternehmen wie Ikea, wo alle vom Service bis zur Führungsriege Du zueinander sagen und trotzdem jeder weiß, welche Position der jeweils andere hat.“ 

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