IT-Jobs: Feedback für Freelancer

IT-Jobs: Feedback für Freelancer | Golem Karrierewelt

(Bild: Pixabay)

Ein Bericht von Louisa Schmidt veröffentlicht am 

Gutes Feedback ist vor allem für Freelancer rar. Wenn nach einem IT-Projekt die Rückblende hintenüberfällt, ist das aber eine verschenkte Chance.

Egal welches IT-Projekt Andreas Wygrabek gerade beendet hat, eines ist immer gleich: Der Data-Science-Spezialist fordert ein Feedback-Gespräch ein. Als Freelancer findet er das wichtig, um besser zu werden, eigene Stärken zu erkennen, aber auch um über Folgeaufträge zu sprechen. Von selbst bieten seine Projektpartner Feedback-Gespräche in der Regel nicht an. "Ich musste bisher meist selbst nach den Gesprächen fragen", sagt Wygrabek. Allerdings habe es auch noch niemand abgelehnt.

Nicht alle IT-Freelancer nehmen ihr Weiterkommen im Job selbst in die Hand. Oft fällt der Rückblick am Projektende hintenüber oder kratzt bloß an der Oberfläche. "Dabei ist konstruktives Feedback der Schlüssel, um besser in dem zu werden, was man tut", sagt Susanne Narciss, Psychologie-Professorin an der TU Dresden.

Rückmeldungen zu erhalten, die einen wirklich voranbringen, ist allerdings nicht immer leicht. Metastudien zeigen, dass Feedback in vielen Fällen sogar negativ wirkt. "Wer einige Dinge beachtet und Feedback strukturiert einholt, kann das allerdings oft verhindern", sagt Narciss.

Feedback direkt im Projekt einholen und anwenden

Konstruktives Feedback beginnt beim Projektstart mit einer klaren Definition dessen, was genau ein Freelancer leisten soll. Andreas Wygrabek dokumentiert seine Aufgaben und den Fortschritt über Jira, ein Tool zur Planung von Softwareentwicklungsprojekten. Darin kann er nachvollziehen, was bereits passiert und was noch zu tun ist, welche Ziele gesetzt sind und welche Probleme auftreten.

In regelmäßigen Abständen teilt er den aktuellen Stand mit dem Projektmanagement. "Wichtig ist das vor allem, wenn ich alleine an einem Projekt arbeite und der tägliche Austausch in Meetings fehlt", sagt er. Gerade wenn er an eine Person berichte, die weniger an den technischen Details interessiert sei, helfe die präzise Kommunikation mit dem Tool. "So baue ich Vertrauen auf und kann sicherstellen, dass alles nach Plan läuft."

Feedback-Forscher Steve King hält es für enorm wichtig, Feedback-Runden standardmäßig in Projekte einzubauen. King forscht in den USA zu Solo-Selbstständigen und berät sie. Im Laufe der Jahre hat er viele Hundert Freelancer befragt. "Erfolgreiche Freiberufler holen sich schon während eines Projekts Feedback ein und setzen es direkt um", sagt King. Gerade ITler können von Kolleginnen und Kollegen viel Fachliches lernen. Auch mit Vorgesetzten müssten es nicht immer formelle Gespräche sein. "Wenn man sich regelmäßig über den Stand des Projekts austauscht, lohnt es sich, auch Fragen etwa zur eigenen Arbeitsweise einzustreuen."

Um die richtigen Fragen zu stellen und hilfreiche Antworten zu erhalten, ist allerdings Vorarbeit nötig. Gutes Feedback erkennt man laut der Forscherin Narciss vor allem daran, dass es sich an konkreten Bewertungskriterien orientiert. "Das ist der zentrale Punkt. In einem ersten Schritt sollte man deshalb genau überlegen, welche die relevanten Qualitätsindikatoren für die eigene Arbeit sind", sagt sie.

Die Kriterien sollten möglichst kompetenzbezogen und objektiv messbar sein. Sie rät Selbstständigen, diese selbst zu reflektieren und in Feedback-Gesprächen konkret danach zu fragen. Zum Beispiel: Arbeite ich schnell genug? Sind meine Fortschritte für Sie transparent genug? Ist die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren gut für das Projekt? "Manchmal muss man da beharrlich sein und nachbohren. Denn unpräzises Feedback hilft niemandem weiter", sagt Narciss.

Dennoch ist es natürlich schwierig, allgemeingültige Qualitätskriterien zu finden. Während beispielsweise Fehler in einem Projekt zur IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen gravierend sein können, sind diese bei einem anderen Arbeitgeber vielleicht sogar erwünscht. Helfen kann es, sich an bereits existierenden Qualitätsmodellen zu orientieren, zum Beispiel ISO-Normen zur Softwarequalität, Heuristiken zur Messung der Usability eines Produkts oder Methoden zur Beurteilung von Soft Skills.

Anhand der gewählten Kriterien rät Professorin Narciss, die Stärken und Schwächen der eigenen Arbeit auch selbst einzuschätzen. "Es ist vielfach belegt, dass Feedback besser wirkt, wenn es nicht nur von außen kommt", sagt sie. Gute Feedback-Geber ließen neben Verbesserungsvorschlägen deshalb auch Raum zur Selbstreflexion.

Fremdbewertungen allein reichen nicht

Sich zu stark auf Bewertungen anderer zu verlassen, könne die Leistung sogar verschlechtern. Das war zumindest das Ergebnis eines ihrer Experimente. Für eine Studie sollten Studenten wissenschaftliche Aufsätze nach vorgegebenen Kriterien verbessern. Mitgeliefert war Feedback - und zwar in manchen Fällen spezifisches Feedback einer sehr kompetenten Person, in anderen Fällen eher generelle Anmerkungen weniger kompetenter Feedback-Geber.

"Das Ergebnis hat uns überrascht", sagt Narciss. Denn die Studierenden, die die Texte mit relevantem und kompetentem Feedback erhielten, schnitten schlechter ab als die anderen Gruppen. "Vermutlich, weil sie sich zu sehr auf das Feedback verlassen haben."

Es sei deshalb wichtig zu lernen, die eigene Arbeit selbst akkurat zu bewerten - auch wenn regelmäßige Fremdeinschätzungen helfen, sich selbst nicht zu sehr zu schmeicheln. "Wer das nicht kann und die relevanten Qualitätskriterien nicht kennt, ist in der Regel auch weniger gut in der Lage, Feedback anzuwenden." Ein Problem - denn Evaluationen seien nur dann wirklich wirksam, wenn man die Anregungen im Nachhinein umsetzen kann.

Zu gelungenem Feedback gehöre deshalb auch immer eine anschließende Reflexion. "Selbst, wenn man eine Bewertung für nicht gerechtfertigt hält. Man kann aus fast jedem Feedback etwas Nützliches ziehen und die Qualitätskriterien für die eigene Arbeit schärfen." Erhält man Kritik, die Wut oder starke Emotionen hervorruft, rät Narciss, diese sacken zu lassen und einen Tag später ruhig zu überlegen, wie man das Feedback dennoch für sich nutzen kann.

Klare Bewertungsindikatoren helfen auch in einem weiteren Punkt: Feedback ist oft subjektiv und verzerrt. Unterbewusst lassen Projektmanager oder Personaler ihre Vorurteile gegenüber gesellschaftlichen Gruppen in Evaluationen einfließen. Studien legen nahe, dass Frauen öfter nett gemeintes, aber unehrliches und unkonkretes Feedback erhalten - im Gegensatz zu Männern, die öfter klare Rückmeldungen zu ihren Hard Skills erhalten. "Je konkreter die Kriterien, nach denen bewertet wird, desto weniger Spielraum bleibt für Vorurteile", so Narciss.

Doch nicht alles hat man als Empfänger von Bewertungen selbst in der Hand. "Viele Chefs sind wahnsinnig schlecht darin, Feedback zu geben", sagt Berater King. Eigene Führungskräfte gäben Feedback etwa nur sehr unpräzise oder unregelmäßig. Sie arbeiteten sich dann ausschließlich an Fehlern und Schwächen ab, statt auch Stärken zu loben oder Verbesserungsvorschläge zu geben. Andere gingen vor allem auf subjektiv wahrgenommene Charaktereigenschaften ein, die kaum veränderlich sind. Auch das kann Feedback-Empfänger demotivieren und die Leistung verschlechtern. "Viele Selbstständige holen sich deswegen nicht nur systematisches Feedback von ihren Auftraggebern", sagt er. "Sie suchen sich darüber hinaus Mentoren."

Als er sich als Berater selbstständig gemacht hat, hat King selbst nach Personen gesucht, die ihn weiterbringen könnten: Kollegen, Freunde oder auch völlig Fremde. So hat er sich ein kleines Team aus vier Personen zusammengestellt. Einer kannte seine Lage als Freelancer, andere haben selbst Freiberufler eingestellt oder konnten fachlich weiterhelfen.

"Klar hat mich das Überwindung gekostet, sie einfach so um ihre Zeit zu bitten", erinnert er sich. "Doch ihr Input war für mich unfassbar hilfreich." Nach seiner Erfahrung sind viele geschmeichelt, wenn man sie nach ihrer Meinung zur eigenen Arbeit fragt. "Aber es ist immer noch deren Zeit, also sollte man nicht zu viel verlangen. Ich habe außerdem gezielt Personen gesucht, denen ich in irgendeiner Form etwas zurückgeben konnte."

Skills in Online-Communitys verbessern

Es geht aber auch einfacher, als sich gezielt eigene Mentoren zu suchen: In der IT-Branche gibt es etliche Möglichkeiten, sich von fremden Codern in Online-Communitys und Foren wie Hacker Rank, Stack Overflow oder Github Feedback zu holen und von erfahreneren ITlern zu lernen.

Für Freelancer Wygrabek ist noch ein weiterer Punkt zentral: Er empfängt nicht nur Feedback, sondern gibt es auch. "Wenn in einem Projekt ein Problem auftaucht, kommuniziere ich das gleich", sagt er. Er gibt Ratschläge, was zum Beispiel in der Kommunikation besser laufen könnte, oder er holt sich Hilfe, wenn er bei einer Aufgabe alleine nicht weiterkommt. "Ich bin der Meinung: Wenn ich mir eine ehrliche Bewertung wünsche, muss ich selbst auch offen kommunizieren."

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