Wenn Langeweile krank macht

Wenn Langeweile krank macht | Golem Karrierewelt

Nicht jeder Job ist stressig und mit Aufgaben ausgefüllt, auf manchen Stellen langweilen sich Angestellte sogar und leiden unter ernsthafter Langeweile – und das teilweise über lange Zeit hinweg. Was dann passieren kann, ist im ersten Moment vielleicht schwer zu greifen: Statt Burn-out droht der Bore-out – eine chronische Erschöpfung durch Unterforderung. Denn nicht nur Überforderung kann krank machenden Stress verursachen. Auch wenn wir über längere Zeit viel zu wenig ausgelastet sind, hat das Auswirkungen.


Arbeitszeit totschlagen – und das heimlich …


Im Jahr 2007 haben die Autoren Philippe Rothlin und Peter Werder das Phänomen zum ersten Mal in ihrem Buch „Diagnose Boreout“ öffentlich beschrieben. Von „Boredom“ abgeleitet, dem englischen Begriff für Langeweile, beschreibt Bore-out einen Zustand, in dem man im Job ausbrennt, weil viel zu wenig zu tun ist statt zu viel und man geistig nicht genug Anregung findet. Betroffene haben ihr Pensum oft einfach schnell erledigt und ihre To-dos fordern sie intellektuell wenig heraus. Deshalb schlagen sie Arbeitszeit tot und sitzen lethargisch am Schreibtisch – und verheimlichen ihre Langeweile in der Regel vor den Kolleginnen und Kollegen.

 

Wer gibt leichthin zu, dass er zu wenig leistet?

Genau das verstärkt den Stress: Wenn man die eigene Unterforderung vertuschen will, kostet das Kraft. Und man schämt sich als Betroffene oder Betroffener auch häufig: Wer gibt schon leichthin zu, dass er zu wenig leistet? Denn viel zu tun zu haben gehört vor allem auch in IT-Kreisen längst zum guten Ton: Burn-out gilt teilweise geradezu als „schick“. Dabei ist es eine mitunter schwerwiegende Erkrankung, die viele Menschen für Monate außer Gefecht setzt. Die WHO hat es jüngst auch offiziell als Krankheit anerkannt und Anfang 2022 in den

Katalog der Internationalen Klassifikation der Krankheiten aufgenommen. Burn-out hat aber in unserer schnelllebigen Zeit durchaus auch ein positives Image: Wer sich auspowert,beweist damit schließlich, dass er etwas drauf hat, dass er unter Druck weiterarbeiten kann und im exakten Sinne des Wortes für Themen „brennt“ – eben leistungsfähig ist. Sich sehr zu langweilen ist dagegen eher unattraktiv.

Ähnliche Symptome wie beim Burn-out


Die Symptome beim Bore-out ähneln denen von Burn-out: Man ist niedergeschlagen, depressiv, leider unter Antriebslosigkeit und kann schlecht schlafen. Auch Tinnitus, Infektionsanfälligkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Magenbeschwerden und Rückenschmerzen können auf Bore-out hindeuten. Betroffene haben oftmals Hemmungen, zu kündigen: Sie sind immer hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, lieber gehen zu wollen oder doch zu bleiben. Vielleicht haben sie den falschen Beruf gewählt, die Inhalte machen ihnen keinen Spaß oder fühlen sich für sie nicht mehr sinnvoll an. Sie sind in die Mühlen von Unternehmensroutinen geraten und wissen nicht mehr, wann der große Frust angefangen hat – und wie sie wieder herausfinden könnten. Sie vertrauen sich selten anderen an, ihre Gefühlslage wird zum großen Geheimnis. All dieser Stress und die Ohmachtsgefühle können schließlich eine Erschöpfungsdepression auslösen – den Bore-out.

Gespräch mit Arbeitgeber suchen

 

Um ihn zu behandeln, braucht es ärztliche Hilfe: Man kann sich jederzeit an Hausärztinnen und Hausärzte wenden oder psychologische Beratungsstellen aufsuchen. Wenn sich die Symptome noch nicht zu stark manifestiert haben, kann man auch direkt das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen: Vielleicht helfen schon einfache Maßnahmen wie die Möglichkeit auf Homeoffice, neue Aufgaben oder Weiterbildungen? Wer sich davor scheut, offen über Bore-out-Symptome zu sprechen, kann auch einfach zum Ausdruck bringen, dass sich sie oder er neue Herausforderungen wünschen. Und wenn das nicht gehört wird, bleibt immer noch der Wechsel in ein anderes Unternehmen. Die Coaches von GolemShifoo, der Coaching-Plattform von Golem.de, können beispielsweise dabei unterstützen, die eigenen Ziele klarzumachen, passende Arbeitgeber zu suchen und die Bewerbung begleiten.