IT-Gehälter steigen trotz Pandemie | Golem Karrierewelt

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Eine Studie zeigt, dass IT-Spezialisten 2020 durchschnittlich 1,6 Prozent mehr Lohn bekommen haben. Das zeugt davon, dass der Bedarf an ausgebildeten Kräften ungebrochen hoch ist. Doch die eigene Performance hat immer einen stärkeren Einfluss auf das Gehalt, sagt Arbeitsökonom Korbinian Nagel.

Die Löhne in der IT-Wirtschaft sind auch im Jahr 2020 überdurchschnittlich gewachsen - um 1,6 Prozent und das in der Pandemiezeit! Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Compensation Partner zum Gehaltsniveau in der Informationstechnik, für die 12.225 Datensätze ausgewertet wurden. 64.200 Euro wurden demnach im Mittel brutto verdient. Am besten schneiden mit 75.700 Euro Consultants ab, Scrum Master liegen im unteren Bereich mit rund 62.100 Euro. Die Pandemie selbst war dabei kein Booster, sondern eher ein bremsender Faktor für die Gehaltsentwicklung. „Natürlich haben Aspekte wie der Wechsel ins Homeoffice in vielen Unternehmen einen gewissen Bedarf an IT-Arbeitsleistung erfordert, aber das ist meinem Eindruck nach nicht der zentrale Treiber für das Gehalt", erklärt Korbinian Nagel, der maßgeblich an der Studie mitgewirkt hat.

13. Monatsgehalt fiel häufig aus

Laut dem Arbeitsökonom hatten die Lockdowns vielmehr einen negativen Einfluss, weil sie viele Unternehmen in wirtschaftliche Engpässe getrieben haben: „Die konnten dann einfach keine höheren Gehälter zahlen - auch IT-Fachkräften nicht." In einem Punkt zeigte die diesjährige Untersuchung noch eine Auffälligkeit gegenüber den Werten aus den Jahren zuvor: Das erfolgsabhängige 13. Monatsgehalt, das viele Arbeitgeber zahlen, fiel häufig aus - unabhängig davon, ob gleichzeitig das Grundgehalt gewachsen ist. Für die Beschäftigten brach die Höhe des tatsächlich gezahlten Bonus im Durchschnitt um etwa 20 Prozent ein.

Angestellte können mehr fordern - genauso wie Bewerber

Das Plus von insgesamt 1,6 Prozent ist laut Korbinian Nagel ein deutlicher Beleg dafür, dass die Nachfrage nach IT-Spezialisten ungebrochen hoch ist. Die breite Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft brauche Menschen, die digitale Produkte entwerfen, bauen und weiterentwickeln können. Für alle, die als Softwareentwickler, Experten für IT-Sicherheit oder Scrum Master arbeiten, bedeutet das, dass sie sowohl in ihrer Anstellung in der Regel mehr Gehalt erreichen könnten als auch, dass neue Positionen höher bezahlt werden. Korbinian Nagel betont jedoch, dass individuelle Gehaltansprüche weniger auf der allgemeinen Entwicklung des Lohnniveaus basieren, sondern eher auf der eigenen Performance: „Die hat immer mehr Einfluss als die Situation auf dem Markt insgesamt", so der Experte. „Wenn ich mich persönlich weiterentwickle, kann ich auch schon mal eine Erhöhung meines Gehalts im zweistelligen Prozentbereich herausholen. Gerade in den Anfangsjahren meiner Karriere, wenn ich beispielsweise als Entwickler gut performe. Für die Gesamtheit aller IT-ler in Deutschland gelten solche starken Steigerungen dagegen eher nicht."

Experte erwartet weitere Steigerung in den kommenden Jahren

Die Studie von Compensation Partner, einer Marke der Gehalt.de GmbH, richtet sich vor allem an Arbeitgeber und soll ihnen Orientierung geben - die Transparenz der Daten soll ihnen ermöglichen, dass sie marktübliche Gehälter kennen und zahlen können. Korbinian Nagel erwartet für 2021 und die folgenden Jahre eine weitere Steigerung der Gehälter: „Ich gehe aber davon aus, dass der Wert nicht um mehr als vier Prozent wachsen wird. Gehälter sind ein Stück weit träge, allein deshalb sind Grenzen gesetzt." Er sieht die Entwicklung einer fortlaufenden Steigerung auch mit Sorge: „Ich denke, es ist nicht gerechtfertigt, dass eine Berufsgruppe dauerhaft eine überdurchschnittliche Gehaltssteigerung erfährt. Daher wird es spannend sein, wie Wirtschaft und Gesellschaft damit in Zukunft umgehen werden, dass IT-ler sehr teuer werden und schwer zu finden sind."

Individuelle Spezialisierungen werden wichtiger

Da gleichzeitig digitale Produkte nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken sind, geht er davon aus, dass in Zukunft Digitalisierungsprojekte stärker hinterfragt werden müssen: „Man wird klären müssen, welche Projekte für ein Unternehmen, aber auch die Gesellschaft insgesamt wichtiger sind. Denn die derzeitige Entwicklung wird einfach zu teuer." Nagel sieht noch eine weitere Entwicklung: „Spezialisierungen und individuelle Profile werden wichtiger." Er rät, dass IT-Spezialisten in ihr Wissen und Können investieren sollten, vor allem bei Themen wie Künstlicher Intelligenz, Datenschutz und Agilität. „Ganzheitliches Denken und auch die Anforderungen an Kommunikation werden immer wichtiger. Hier sollte jeder, der in der IT arbeitet, informiert bleiben und sich fortbilden. Denn dass man auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist, sollte auch nicht träge machen. Meiner Meinung nach ist gerade durch den stark steigenden Preis von IT-lern eine starke Bewegung im Markt." Nur wer weiß, welche Gehälter in der IT gezahlt werden, kann selbstbewusst über den eigenen Verdienst verhandeln. Gehalt.de macht Löhne transparent - auf dem Portal kann jeder leicht checken, wo er steht.

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