The Great Attrition: Bleiben oder gehen?

The Great Attrition: Bleiben oder gehen? | Golem Karrierewelt

Die Pandemie hat uns alle verändert. Lockdown, Social Distance oder Arbeiten am Küchentisch: Sie hat uns mit neuen Situationen konfrontiert und uns dazu gebracht, viele Dinge zu hinterfragen. Zum Beispiel unsere Berufe: Außerordentlich viele Menschen haben sich in der Pandemie neue Aufgaben gesucht, wurden gekündigt oder haben den Job gewechselt. Vom Frühjahr 2020 bis 2021 verloren laut Bundesagentur für Arbeit mehr als eine Million Beschäftigte in Deutschland ihre Anstellungen. Viele weitere haben gekündigt oder darüber nachgedacht, es zu tun.

 

Unternehmen sind ratlos

„The Great Attrition“ heißt diese Entwicklung in den USA – „die große Zermürbung“ – oder auch „The Big Quit“. Dort haben allein zwischen April und September 2021 mehr als 19 Millionen Beschäftigte ihren Vorgesetzten „Goodbye“ gesagt. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey werden 40 Prozent der MitarbeiterInnen „in den nächsten drei bis sechs Monaten zumindest mit einiger Wahrscheinlichkeit kündigen“. Bei den Unternehmen herrscht größtenteils Ratlosigkeit, wie sie sie aufhalten könnten. Vor allem, wenn schnelle Lösungen wie Gehaltserhöhungen nicht greifen.

Die Suche nach dem Sinn

 

Auch wenn die Pandemie für viele auch schmerzhafte finanzielle Einbußen bedeutet, so wurde den meisten doch bewusst, dass sie mehr Sinn in ihrem Leben wollen – sowohl im Privaten als auch im Beruf. Die soziale Distanz hat uns gezeigt, wie sehr wir die Nähe zu FreundInnen und KollegInnen brauchen – und gleichzeitig, wie wichtig es uns ist, dass es echte Beziehungen sind, in denen man sich gegenseitig unterstützt und inspiriert. Für Vorgesetzte, die ihre MitarbeiterInnen halten wollen, heißt das: Sie sollen fair bezahlen, gute Sozialleistungen und gerne auch Extras bieten. Vor allem aber sollen sie ihren Teams echte Wertschätzung entgegenbringen und dafür sorgen, dass diese sich dem Unternehmen wirklich zugehörig fühlen. 

 

Flexibel arbeiten, freier fühlen

Das beginnt mit dem Verständnis dafür, dass Angestellte flexibel arbeiten wollen, weil sie Kinder haben, Angehörige pflegen, Hobbys verfolgen oder sich einfach freier fühlen möchten. Es geht weiter damit, dass man ihnen den Raum gibt, eigene Entscheidungen zu treffen und Freiräume schafft, in denen sie ihre Stärken beweisen können. Und umfasst auch nachzufragen, wie es den eigenen MitarbeiterInnen geht! Die Pandemie hat auch die ein oder andere über lange Zeit angestaute Unzufriedenheit zum Überkochen gebracht – hier hätten die Unternehmen deutlich früher eingreifen können.

Führungsverhalten überdenken

 

McKinsey empfiehlt Vorgesetzten, ihr Führungsverhalten zu überdenken. Vor der Pandemie setzten sie vor allem auf starkes Coaching, Mentoring sowie den Aufbau starker Teams. Jetzt ist vielmehr Einfühlungsvermögen gefragt. Sie sollten ihre MitarbeiterInnen mitbestimmen lassen, Motivation und Mitgefühl beweisen. Jetzt ist auch die beste Zeit, um die eigene Unternehmenskultur auf den Prüfstand zu stellen: Ist sie noch zeitgemäß und hält sie vor allem mit den aktuellen Veränderungen Schritt? Wie kann man ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, auch wenn nicht immer alle im Office arbeiten? 

 

Die große Kündigungswelle wird bleiben, es wird sogar prognostiziert, dass sie sich noch verstärkt. Für ArbeitgeberInnen heißt das, dass sie aktiv werden sollten. Und für ArbeitnehmerInnen, dass sie die Chance nutzen sollten, jetzt für all das einzustehen, was ihnen wichtig ist – in ihrem aktuellen Unternehmen oder einem anderen.

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